Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die Trachten bilden : Sammeln, Ausstellen und Erneuern am Tiroler Volkskunstmuseum und bei Gertrud Pesendorfer
(bis 1938)
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60 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 1

bar war ein Unterhändler des Alpinen Museums in München an sie her-angetreten-, fragte Haberlandt bei Radinger an, ob noch Interesse aneiner, Teilung der Sammlung" zwischen dem Wiener und dem Innsbru-cker Museum bestehe, der er schon vor dem Krieg das Wort geredet"habe.92 Radinger bekräftigte daraufhin bei der Zentralkommission fürDenkmalpflege sein Interesse an Wölls Sammlung, auch wenn ihn schonlänger Zweifel an deren Echtheitsliebe" beschlichen. 93 Die Tiroler Fakto-ren stimmten einem Kauf schließlich unter der Voraussetzung zu, dass dieSammlung ungeteilt in Innsbruck verbleibe. 1918 kamen die 1.795 Trach-tenstücke sowie weitere volkskundliche Gegenstände für 35.000 Kr. ausBundes- und Landesmitteln ans Museum.94 Der Bund verband damit dieAuflage, die Sammlung zu inventarisieren, nicht ins Ausland zu verkaufenund nicht mehr für Trachtenfeste u. dergl." zu adaptieren und zu verlei-hen. 95 Wohl aber sollten die Stücke an Einrichtungen verliehen werden,die sich um die Erhaltung der Landestrachten" bemühten.96 Mit demÜbergang von Wölls Museum" ans Museum ändert sich damit auch dieFunktion und Bedeutung der Sammlung. Die Stücke verloren weitgehendihren Status als Leihobjekt. Ihre Verfügbarkeit für Kostümierungen warvon jetzt an stark eingeschränkt. Aus einer Tracht, die zuvor als Ensem-ble auf einem Ball getragen worden sein mochte, wurde nun eine, dieinventarisiert wurde und später womöglich ausgestellt werden sollte. MitFranka Schneider gesprochen bildete sich eine andere Objektversion"von Tracht" heraus.97 Wie noch zu zeigen sein wird, aktualisierte sich

92 Ebd.: Franz von Wieser an k.k. Staatsdenkmalamt, 11.7.1914; von Wieser anKammervorstehung Sr. k.u.k. Hoheit des Erzherzog Eugen, 16.11.1916; vonWieser an k.k. Staatsdenkmalamt, 21.7.1917; Michael Haberlandt an Karl vonRadinger, 10.6.1917. Der Plan eines gemeinsamen Ankaufs ist auch erwähnt ebd.:Haberlandt an k.k. Zentralkommission für Denkmalpflege in Wien, 15.6.1917.Ebd.: Karl von Radinger an k.k. Zentralkommission für Denkmalpflege, 1.7.1917[ Abschrift]. Vgl. auch o.V.: Eine Tiroler Trachtensammlung. In: Zeitschrift fürösterreichische Volkskunde 23, 1917, S. 88 f.

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94 Vgl. u. a. Volkskundemuseum Wien, Archiv: Karl von Radinger an MichaelHaberlandt, 20.7.1917.

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TVKM Innsbruck, Archiv, Aktenband III/ 2, Mappe Innsbruck Sammlung Wöll":Fortunat von Schubert- Soldern, k.k. Staatsdenkmalamt, an das k.k. Landeskonserva-torat in Innsbruck, 27.1.1918.

Ebd.: k.k. Statthalterei für Tirol und Vorarlberg an k.k. Landeskonservatorat fürDenkmalpflege, 21.1.1918.

Franka Schneider: Tracht als Karteikarte. Zur relationalen Materialität von Muse-umsdingen. In: Karl Braun u. a.( Hg.): Materialisierung von Kultur. Diskurse,