Reinhard Bodner, Die Trachten bilden
dem Salontirolertum!", so eine der Parolen, 55 die eine doppelte Front-stellung signalisiert: Der Kampf gegen das vermeintlich„ Fremde" im„ Eigenen“( das„ Welsche") ist gleichzeitig auch einer gegen das vermeint-lich„ Andere" in der„ echten Volkskultur"( den„ Salontiroler"). Meyerwar Protektor der städtischen Trachtenerhaltungsvereine, die seit demausgehenden 19. Jahrhundert in ihrem Bestreben um„ Trachtensamm-lung" 56 neben Koflers Volkstrachten- Comité getreten und dieses abge-löst hatten.57 Vermehrt überschnitten sich die Interessen des Museumsauch mit jenen der städtisch- bürgerlichen Heimatbewegung 58 und desDeutschen und Österreichischen Alpenvereins, 59 die sich ebenfalls umeine„ Wiederbelebung" von Tracht bemühten. Außerdem förderte es dieSchützenkompagnien als„ ländliche Gegenstücke" der Heimatbewegung.Für die 1909 zelebrierte ,, Jahrhundertfeier" des Tiroler Aufstands gegendie napoleonisch- bayerische Besatzung 1809 kleideten sich zahlreicheKompagnien in neue Monturen ein, so genannte„ Nationaltrachten",die nach dem Vorbild greifbarer Überlieferungsfragmente kreiert wur-den.60 Damit sind zentrale AkteurInnen und Institutionen benannt, dieim Zusammenwirken mit dem Museum in der Region am Übergang voneinem antiquarisch- historischen Interesse an„ Tracht“ zu einem„ erneu-ernden Zugang beteiligt waren.
Von einem„ Museum" im Sinne eines Gebäudes konnte damalsallerdings noch keine Rede sein. Seit seiner Gründung 1888 war dasGewerbe- und Volkskunstmuseum zwar mehrmals projektiert, aber nichtumfassend realisiert und an einem Standort präsentiert worden. Um dieunter Platznot und auf verschiedene wechselnde Quartiere verstreutenBestände gesammelt unterzubringen und zu präsentieren, wurde im ers-ten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ein Neubau geplant. Der Philologe
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Innsbrucker Nachrichten, 23.5.1908, S. 4
57 Vgl. Cole 2000( wie Anm. 24), S. 391.
58 Nach deutschen Vorbildern gründete sich in Tirol als erstem Kronland derMonarchie 1908 ein Verein für Heimatschutz. Vgl. Wolfgang Meixner: MythosTirol. Zur Tiroler Ethnizitätsbildung und Heimatschutzbewegung im 19. Jahr-hundert. In: Geschichte und Region/ Storia e Regione 1, 1992, S. 88-106, hierS. 102-106; zu Tracht S. 102, 104.
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1907 gestaltete Meyer beispielsweise ein„ Trachtenfest" anlässlich einer InnsbruckerGeneralversammlung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.
Vgl. Irmgard Plattner: Fin de siècle in Tirol. Provinzkultur und Provinzgesellschaftum die Jahrhundertwende. Innsbruck, Wien 1999, S. 163–166.
Cole 2000( wie Anm. 24), S. 479. Zur Jahrhundertfeier vgl. die eingehendeDarstellung ebd., S. 323-412.
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