52 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
Deutlich wird hier nicht nur die Notwendigkeit, eigene Interessen inKonkurrenz mit anderen Sammlern zu profilieren, sondern auch eineam Vorbild von Stockholm/ Skansen orientierte Idee eines„ lebendigenMuseums". Objekte wie der Wifling sollten nicht in Serien dargestelltund klassifiziert, sondern von lebenden AkteurInnen in einer Art Mini-atur- Tirolerland vor breitem Publikum in anschaulichen Szenen vorge-führt werden. 49 Andere Zugänge und Auffassungsweisen kamen hinzu.Als Kunstgewerbler schätzte Tapper ,, alte Bauerntrachten" auch als Mus-ter für die Produktion, was ein Nachruf mit seinem„ natürlicher Sinn fürdas Urwüchsige" assoziierte. 50 Stärker als Kofler, der einen„ modernen"kunstgewerblichen Stil„ Wiener Richtung" förderte, propagierte Tappereine„, typisch tirolische Kunst" bzw. einen( mit„ Tirol“ assoziierten)„ nati-onalen Stil".51 Die gesammelten lokalen Objekte galten ihm als Monu-mente ,, Deutschtiroler Heimat".52
Nach Tappers plötzlichem Tod 1906 wurde sein Sammelinteressefortgeführt und die inhaltliche Neuausrichtung des Museums 1907 ineinem neuen Namen festgeschrieben:„ Museum für tirolische Volks-kunst und Gewerbe".53 Ein neuer Einkäufer, der Landschaftsmaler undKunsthändler Edgar Meyer( 1853-1925) verwickelte das Haus noch stär-ker in den Antiquitätenhandel und geriet dabei auch selbst in Verdacht,Heimatliches zu veräußern. 54 In Personalunion leitete der Sammlerzugleich den fast parteiübergreifenden( nur von den Sozialdemokratennicht unterstützten)„ Tiroler Volksbund“. Dieser agitierte gegen irreden-tistische Tendenzen in Italien und Autonomiebestrebungen des Trentino(„ Welschtirols") und forderte Regermanisierungen südlich des Brennersein. Die Bewahrung„ alte[ r] Landesbräuche und Trachten" galt als Res-source dafür:„ Behüte uns nicht nur vor Welschtirol, sondern auch vor
49 Zum Konzept des„ lebenden Museums" vgl. te Heesen 2012( wie Anm. 27), S. 82 f.50 Johann Deininger: Professor Josef Tapper. In: Tiroler Gewerbeblatt XIX( 11),1906, S 1 f., hier S. 2.
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Meixner 1989( wie Anm. 13), S. 78 f.; er zitiert damalige Formulierungen Koflersund Tappers.
Mit den Worten von Cole 2000( wie Anm. 24), S. 368.Meixner 1989( wie Anm. 13), S. 111.
54 Theodor Brückler: Thronfolger Franz Ferdinand als Denkmalpfleger. Die„ Kunst-akten" der Militärkanzlei im Österreichischen Staatsarchiv( Kriegsarchiv)(= Studienzu Denkmalschutz und Denkmalpflege, 20). Wien, Köln, Weimar 2009, S. 31 f.,208( KNr. 122).
55 Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 17.2.1908, S. 5.