44 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
suchte Phänomen" auszumachen, ist es mit Jens Wietschorke gesprochennötig,„ feldübergreifend[ zu] denken".11
Der Beitrag gliedert sich in fünf Abschnitte. In einem ersten geht esum das 1888 gegründete„ Tiroler Gewerbemuseum", das der Trachtener-haltung anders als regionale kulturhistorische Museen zunächst keineherausragende Aufmerksamkeit widmete. Für erste Ansätze zur„ Wieder-belebung von Tracht" war insbesondere eine Verknüpfung von Gewerbe-und Tourismusförderung wesentlich. In einem zweiten Teil geht es umdie Veränderung der Museumsidee hin zu einem„ Volkskunstmuseum"ab ca. 1900 und den dadurch bedingt veränderten Status von„ Trachten".Diese wurden als„ Tiroler Antiquitäten“ gesammelt und zu nationalenDenkmälern stilisiert. Auf die Idee eines„ lebenden Museums" folgte einerstes Konzept für die Einrichtung eines„ Trachtensaals" zur Präsentationvon Kleidung an lebensgroßen Figurinen- ein spezifisches Genre bür-gerlich- musealer Inszenierung, 12 das vorerst aber nicht realisiert wurde.Der dritte Teil wendet sich einer Sammlung zu, die jene des Museumsan Umfang bei Weitem überbot und vom Museum erst 1918 erworbenwerden konnte: dem ,, Tiroler Trachtenmuseum" der Innsbrucker Schnei-dermeisterin Anna Wöll, das u. a. auch als Kostümverleih diente. Nichtzuletzt mit diesen Beständen arbeitete Gertrud Pesendorfer, als sie ab1927 die Trachtensammlung des Museums ordnete und für die Eröff-nung 1929 den länger geplanten Trachtensaal realisierte. Darum geht esin einem vierten Teil. Ein fünfter gibt schließlich noch einen Einblick indie Tätigkeit des Museums als regionale Trachtenberatungsstelle in den1930er- Jahren. Am Ende des Beitrags steht ein Resümee zu den Prak-tiken, in denen/ durch die im Untersuchungszeitraum in verschiedenenVersionen Tracht hervorgebracht und geformt oder anders gesagt- wieim Titel vorgeschlagen-„ gebildet" wurde.
11
Wietschorke 2012( wie Anm. 6), S. 345.
12 Vgl. dazu grundlegend Katharina Eisch- Angus( Hg.): Unheimlich heimisch. Kultur-wissenschaftliche BeTRACHTungen zur volkskundlich- musealen Inszenierung(= Grazer Beiträge zur europäischen Ethnologie, Sonderband). Wien 2016. DieLektüre des Bandes, der dem 1938 eröffneten„ Trachtensaal" im Grazer Volkskunde-museum gewidmet ist, hat mein Interesse am Innsbrucker„ Exemplar" mit- gewecktund inspiriert. Der vorliegende Beitrag umreißt einige Innsbrucker Spezifika, eineausführlichere Untersuchung des Saals- unter Einschluss seiner( vermeintlichen)Rückversetzung in den„ Urzustand" als„ Museum im Museum" 2009- steht abernoch aus.