Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die Trachten bilden : Sammeln, Ausstellen und Erneuern am Tiroler Volkskunstmuseum und bei Gertrud Pesendorfer
(bis 1938)
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42 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXXII/ 121, 2018, Heft 1

Gewicht liegt dabei auf einer Analyse der am Museum erhaltenen Mate-rialien der Mittelstelle.5 Im Folgenden fokussiere ich allerdings primärZeiträume vor dem Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland 1938.Ich gehe dem Verhältnis des Museums zu Tracht" im Zeitraum von sei-ner Gründung 1888 bis zum Anschluss" nach, wobei am Ende auch dasfrühe Wirken Pesendorfers in den Blick kommt. Das halbe Jahrhundertvon 1888 bis 1938 soll in seinen Brüchen und Ambivalenzen hier keines-wegs auf eine Vorgeschichte der NS- Zeit reduziert werden. Die Ausei-nandersetzung damit sehe ich aber als eine von mehreren Möglichkeitenan, Pesendorfers Wirken innerhalb von sozialen Konstellationen, Macht-verhältnissen und Ensembles von Bedeutungen zu denken und damit zukontextualisieren. Dazu kombiniere ich Material aus einer historisch-ethnografischen Recherche mit diskursanalytischen Blicken und theore-tischen Perspektiven zu Tracht und Museum. Figürlich ausgedrückt( wozu das Museum mit seinen Figuren und Figurinen hinreißen kann)kann dieser Text als ein Stelldichein Luzifers und der Lechtalerin gelesenwerden. Beide Figuren- bzw. die Fragen, die sie aufwerfen- sollen ein-ander wechselseitig erhellen.

Den Teufel möchte man fürs Erste freilich nicht verdächtigen, etwasmit Tracht am Hut zu haben. TrachtenpflegerInnen wie Pesendorfer hät-

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,, Tiroler Trachtenpraxis im 20. und 21. Jahrhundert", https://www.uibk.ac.at/geschichte- ethnologie/ ee/ trachten.html, das Projekt wird in Kooperation derTiroler Landesmuseen( Bereich Tiroler Volkskunstmuseum[ im Folgenden:TVKM] Innsbruck) mit der Universität Innsbruck( Fach Europäische Ethnologie)durchgeführt und 2014-19 aus Mitteln des Förderschwerpunkts Erinnerungs-kultur" der Tiroler Landesregierung finanziert. Zur erwähnten Debatte vgl. TimoHeimerdinger, Reinhard Bodner: Ein Erinnerungsfonds für die Tiroler Volkskul-tur"? Die Ploner- Debatte( 2011-2014) als Anstoß und Hemmnis eines Forschungs-projekts über Trachten in Tirol. In: Brigitta Schmidt- Lauber, Jens Wietschorke( Hg.): Volkskultur" 2.0. Innsbruck, Wien, Bozen 2016(= Österreichische Zeit-schrift für Geschichtswissenschaften 27[ 2], 2016), S. 168-208. Zu Pesendorfervgl. grundlegend Elsbeth Wallnöfer: Trachtenforschung als rassische Delimitation.Gertrud Pesendorfer( 1895-1982), Gretl Karasek( 1910-1992), Erna Piffl( 1904-1987). In: dies.( Hg.): Maß nehmen, Maẞ halten. Frauen im Fach Volks-kunde, Wien, Köln, Weimar 2008, S. 24-52.

Zur Spezifik volkskundlich- kulturwissenschaftlicher Kontextualisierungsarbeitvgl. Jens Wietschorke: Beziehungswissenschaft. Ein Versuch zur volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Epistemologie. In: Österreichische Zeitschrift für Volks-kunde LXVI/ 115, 2012, S. 325-359; mit Blick auf eine Auseinandersetzung mitGertrud Pesendorfer: Simone Egger: Zur Trachtenpraxis von Gertrud Pesendorfer.Unveröffentlichtes Gutachten, Innsbruck 2015.