Aufsatz in einer Zeitschrift 
Die Trachten bilden : Sammeln, Ausstellen und Erneuern am Tiroler Volkskunstmuseum und bei Gertrud Pesendorfer
(bis 1938)
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Reinhard Bodner, Die Trachten bilden

zur spielerisch- kritischen Reflexion verführen. Nicht als, der Bursche,der falsches Licht bringt", gilt er hier, sondern als Aufklärer im undübers Museum. Mit seinen Fragen und Zweifeln und oft auch rechtargen Sprücheklopfereien- begleitet er einen durchs Haus: Was triebdie SammlerInnen, denen das Museum seine Bestände verdankt, an? Wieverhalten sich Müll, Abfall und Wertstoff, wie Gezeigtes, Kaschiertesund Verborgenes, wie Erinnertes, Vergessenes und Verdrängtes zuein-ander? Welche Rolle spielt der mitunter böse Blick" des Publikums aufdie Exponate? Im zweiten Stock wird man Luzi( wie ihn das Museums-personal nennt) auch dort nicht los, wo laut Beschriftungen Trachten"zu erwarten sind. In einer seit 2009 neugestalteten Szenerie sind dort45 Figurinen aus dem früheren Trachtensaal versammelt, der zur Eröff-nung des Museums 1929 gestaltet wurde. Federführend verantwortlichdafür war die damalige Sekretärin des Museums, Gertrud Pesendorfer( 1895-1982). Ihr sind die Gesichtszüge einer der Figurinen nachempfun-den, der Lechtalerin". In der NS- Zeit war Pesendorfer geschäftsführendebzw. stellvertretende Leiterin des Museums. Als Reichsbeauftragte fürTrachtenarbeit" von Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz- Klink lei-tete sie die Mittelstelle Deutsche Tracht, eine am Museum angesiedelteDienststelle der NS- Frauenschaft, die in diversen Gauen und, auslands-deutschen Gebieten" Trachtenbestandsaufnahmen und-erneuerungendurchführen sollte. Das Unternehmen blieb Torso, aber das heutige Bildder ,, Tracht" in Tirol( und z. T. darüber hinaus) wurde von Pesendorferwesentlich bestimmt. Mit ihrer Biografie und Praxis der Trachtenerneu-erung, beschäftigte ich mich veranlasst durch eine öffentliche Debattedarüber seit 2012- in einem laufenden Forschungsprojekt. Besonderes

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2 Imre Lakatos in einem Brief an Paul Feyerabend, als Motto vorangestellt in BrunoLatour: Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissen-schaft. Frankfurt a. M. 2000.

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Vgl. Martin Scharfe: Eine Lanze für Luzifer! In: Österreichische Zeitschrift fürVolkskunde LXII/ 112, 2009, S. 323-329. Die Assoziation des bösen Blicks" liegtnahe, weil der Teufel an seinem Brustpanzer ein drittes Auge" hat. Es scheint, alsbedürfe er des Schutzes- aber wovor?

Um dem Konstruktcharakter des Begriffs und seine wechselnden Definitionenzu betonen, setze ich ihn im Folgenden häufiger in Anführungszeichen. Dieprinzipielle Verwendung solcher Distanzsignale vermeide ich aber nicht nur ausGründen von Ästhetik und Lesefluss, sondern auch, weil ethnografische Forschung( historisch und gegenwartsbezogen) auch Nähe zum Gegenstand wagen muss.Ich plädiere deshalb für einen reflektierten Umgang mit dem Begriff, aber für keineallzu orthodoxe Verwendung von Anführungszeichen.

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