Jahrgang 
122 (2019) / N.S. 73
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

Literatur der Volkskunde

409

Nils Bennemann, Claudia Gottfried, Kay- H. Hörster, Kerstin Kraft,Caroline Lerch, Dirk Schaefer, Martin Schmidt und Christiane Syré:Glanz und Grauen. Kulturhistorische Untersuchungen zurMode und Bekleidung in der Zeit des Nationalsozialismus.Ratingen: LVR- Industriemuseum, Textilfabrik Cromford 2018,417 Seiten, zahlr. Abb.

Roter Grund, schwarzes Kleid und mittig platziert der provokanteTitel in großen weißen Lettern: GLANZ UND GRAUEN. Vormir liegt der 2018 erschienene Abschlussband des 2010 begonnenenund von der VolkswagenStiftung geförderten Forschungsprojektsdes LVR- Industriemuseums Textilfabrik Cromford, die auch dieHerausgeberin des Bandes ist. Die Betitelung ist genial, da sie dieAmbivalenz zwischen Faszination und Erschütterung widerspiegelt,die die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich undprivat bis heute begleitet.

Als 2012 die 96 Seiten umfassende, gleichnamige Begleit-broschüre im DIN- A5- Format zur Sonderausstellung Glanz undGrauen: Mode im Dritten Reich( 9.3.2012-27.1.2013) erschienen war,wurde dies als Zwischenergebnis kommuniziert. Es folgten zahlrei-che Kontakte mit Zeitzeug* innen, eine wissenschaftliche Fachtagung( Nürnberg 2012), weitere Ausstellungsstationen im LVR- und LWL-Industriemuseumsverband( Euskirchen 2013, Bocholt 2015, Engels-kirchen 2016) und abschließend eine Ausstellungsübernahme und-erweiterung durch das Staatliche Textil- und Industriemuseum timin Augsburg( 13.5-22.10.2017), begleitet von weiteren Forschungen.Nun liegt das Ergebnis des höchst ambitionierten Projekts vor, unddas Warten hat sich entschieden gelohnt!

Die breit angelegten Untersuchungen sind fünf Themen-komplexen zugeordnet: Methoden, Mode, Konsum& Volksgemein-schaft, Inklusion& Ausgrenzung und Entnazifizierung. Sie enthaltenwissenschaftliche Beiträge und Objekttexte, in denen Exponatedieses Themenkreises genauestens be- und ausgeleuchtet werden.Zahlreiche Abbildungen in ausgezeichneter Qualität korrespondie-ren mit den Inhalten und veranschaulichen das Gesagte. Der Begriff Volksgemeinschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamteWerk, wobei das Gemeinte immer wieder neu kontextualisiert und