Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Weese, Michael; Holfelder, Ute: „Wir wollen ein offenes Forschungsmuseum sein“

  
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„Wir wollen ein offenes Forschungsmuseum sein“
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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2

UH: Sie haben von den Haustypologien gesprochen, diebestimmten Regionen zugeordnet werden und diese reprä-sentieren sollen. In Kärnten haben wir den Eindruck, dass dieÜbergänge in der Alpen- Adria- Region zwischen Österreich,Slowenien, Friaul doch sehr fließend sind. Gibt es Überlegun-gen dahingehend, dieses Transkulturelle, das heißt, das überSalzburg Hinausreichende oder die Vermischungen, einmalanzuschauen?

MW: Sie haben völlig Recht, ich finde auch, dass dies einen richtigenAnsatz darstellt. Transkulturalität, den Einfluss von Kulturen auf-einander, finden wir ja auf vielseitigste Weise in der gerade zuvorerwähnten Begegnung von städtischen Urlaubsgästen mit der Land-bevölkerung. In Bezug auf Baugeschichtliches sind wir zum Beispielim regen Austausch mit bayerischen Freilichtmuseen. Tatsächlichgibt es hier in Form, Funktion und Material mehr Gemeinsames alsTrennendes. Wir haben es aber nicht oft explizit thematisiert. Aneinem Flachgauer Einhof, dem Lohnergütl, können wir eine Vermi-schung unterschiedlicher Baukulturen aber doch recht anschaulichzeigen: Dort sind in einem Blockbau aus der Mitte des 17. Jahrhun-derts in den Außenputz des Stallmauerwerks Schlackensteine orna-mentartig gedrückt worden. Diese Technik, den Schlackenputz zuverzieren, gelangte Mitte des 19. Jahrhunderts vermutlich durch ita-lienische Wanderarbeiter nach Salzburg.

Wenn man Museumshäuser weniger nach ihren typologi-schen Besonderheiten, sondern nach ihren Einflüssen befragt, dannverbindet diese alle sicherlich, mehr als jede Eigentümlichkeit, ihrstetiger Wandel. Allein mit traditionellen Kulturgrenzen kommt manihnen daher nicht bei, sie sind vielmehr durch Veränderungen sozi-aler und wirtschaftlicher Art- gekennzeichnet.

Als ich am Salzburger Freilichtmuseum meine Arbeit begon-nen habe, wurde ich einmal gefragt, was ich eigentlich von Beruf sei,und ich habe damals geantwortet: Ich bin kein Volkskundler, ich binein Wandelkundler. Tatsächlich ist es der alles durchdringende Wan-del, der uns Kulturwissenschaftler viel mehr interessieren sollte.

UH: Bevor wir jetzt dann aufs Gelände gehen, habe ich nocheine Frage zur Ehrenamtlichkeit bei Ihnen im Haus. Es gibt