Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Weese, Michael; Holfelder, Ute: „Wir wollen ein offenes Forschungsmuseum sein“

  
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„Wir wollen ein offenes Forschungsmuseum sein“
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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2

achtzig Studierende da, volles Haus. Und ich habe am Anfang gefragt: Wer von Ihnen möchte gern an ein Museum gehen? Und es hatnicht ein Einziger aufgezeigt. Das zeigt schon auch die Schwierigkeit,Menschen wieder für Forschung an Museen zu begeistern: Was istdas Spannende an so einer Tätigkeit? Wo kristallisieren sich neue Fra-gestellungen heraus? Was kann ich bei interdisziplinären Forschungs-ansätzen selbst mit einbringen? Und da brauchst du, denke ich, auchein klassisches" Rüstzeug, dass du dich für Sachkulturforschunginteressierst, dass du dich für Hausforschung interessierst und dassdu diese auch irgendwo vermittelt bekommst. Oder dass du darüberhinaus auch noch viel mehr gegenwärtige museologische Fragestel-lungen vermittelt bekommst, weil ja auch das Museum heute in steterRede ist und befragt wird. All diese Forschungsbereiche gehörten,meiner Meinung nach, im Studium wieder weit mehr etabliert. Ichhabe selbst viele Jahre an der Universität für angewandte Kunst inWien im Rahmen eines museologischen Seminars lehren dürfen undhabe rückblickend das Gefühl, dass dort das Interesse der Studieren-den außerordentlich groß war. Wir besuchten laufend Ausstellungenund Museen, waren vor Ort, blickten gemeinsam hinter die Kulissen,und das war spannend. Auch für mich.

Ich denke, man muss Studierenden vermitteln, dass es inMuseen natürlich nicht nur um einen klassischen Fächerkanon,beispielsweise um Hausforschung, um Sachkulturforschung oder umKunst, geht. Es geht auch um eine innere Haltung, es geht auch uminnere Überzeugung. Als ich die wissenschaftliche Leitung am Lan-desmuseum Burgenland innehatte, konnte ich beispielsweise immerwieder aufs Neue ausloten, wie sehr es lohnen kann, sich entlangvon Sammlungen differenziert mit unterschiedlichen Identitäten, mitunterschiedlichen Volksgruppen, mit deren Selbst- und Fremdbildernauseinanderzusetzen. Ich denke, das sind fruchtbare Aufgabenfelderfür Studierende aus den Kulturwissenschaften, gerade in Zusammen-hang mit landeskundlichen oder heimatkundlichen Sammlungen las-sen sich diese in Ausstellungen äußerst ertragreich thematisieren. JedeAusstellung ist für mich ein Diskurs. Identität, Heimat, Kultur, dassind Begriffe, die problematisiert gehören, aber man muss sich trauen,diese zu befragen. Und das kann ein Museum. Das sollten wir Stu-dierenden vermitteln: Kultur ist nicht nur etwas Liebes, Nettes, dasman pflegt. Du hast eine Verantwortung, wie diese verhandelt wird.