Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Weese, Michael; Holfelder, Ute: „Wir wollen ein offenes Forschungsmuseum sein“

  
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„Wir wollen ein offenes Forschungsmuseum sein“
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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2

MW: Künstlerische Konzepte können Selbstverständlichkeiten infragestellen. Kunst kann auch wichtige Bestandteile einer zeitgeschicht-lichen Erinnerungskultur bereitstellen und sich in ein zukünftigeskollektives Gedächtnis einschreiben. Mit der Fotografie werden wirweitermachen. Warum gerade Fotografie? Zum einen besitzen wirselber eine Sammlung mit etwa 33.000 Fotografien, Dias, Digitalisa-ten. Zum anderen sind Fotografien- genauso wie die ins Museumübertragenen Häuser- Speichermedien der Erinnerung. Und mitder Fotografie bietet sich eine inspirierende Möglichkeit, mit derHausforschung in Dialog zu treten. Ich halte aber nichts davon, hierirgendeine Kunstausstellung zu machen, die nicht kontextbezogenwäre. Aber gerade mit der Fotografie kommen durch unterschiedli-che Blickwinkel, Blickweisen oder auch durch die Kombinatorik mitanderen Bildern Irritationen und Ergänzungen zustande, die wir hiermit unseren Mitteln so nicht leisten könnten. Und das finde ich sehrgut auch als Methode, weil die Fotografie als methodisches Hand-werkszeug ja durchaus eine Wahlverwandtschaft zur teilnehmendenBeobachtung der Ethnologie hat. Von daher macht das Sinn.

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UH: Und wie wird das angenommen?

MW: Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestand anfangssicherlich eine gewisse Skepsis, viele konnten es sich eigentlich nichtrecht vorstellen. Und die Wahrheit ist: Selbst ist man auch nichtimmer ganz sicher, ob das aufgeht. Ich habe mich aber immer gernezwischen den Disziplinen bewegt und Vertrauen gehabt, dass mansich nicht davor scheuen muss, unterschiedlichste Disziplinen zusam-menzubringen. Man muss nur versuchen, sich auf neue Zugänge ein-zulassen, neugierig zu bleiben und die richtigen Leute zu begeistern.Und ich glaube, das ist auch gelungen. Es treten mittlerweile laufendKünstler und Künstlerinnen an uns heran. Wir haben erst kürzlich einVideoprojekt mit jemandem gemacht. Durch die eingangs erwähn-ten Projekte wollen heute einfach mehr Künstlerinnen und Künstleretwas mit uns realisieren und ihre eigene Subjektivität einbringen.

Persönlich erlebe ich diese Partizipation eigentlich nur alsbereichernd, aber das heißt nicht, dass wir unsere Kompetenz ausder Hand geben wollen, sondern wir wollen unsere Arbeit im Dialogmit anderen machen.