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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2
UH: Was sollte ein Freilichtmuseum Ihrer Ansicht nach heuteleisten?
MW: Ich denke, Freilichtmuseen leiden ein wenig unter einem alt-bekannten volkskundlichen Syndrom, dass sie Häuser und Dingevon vermeintlich langer Dauer und Beständigkeit präsentierten undrepräsentierten. Was wir als Freilichtmuseum etwa leisten können,ist, diesen Glauben an eine lange Kontinuität zu brechen und sehrviel stärker den steten Wandel zu thematisieren. So haben wir in denVermittlungsprogrammen schon viel verändert, indem wir histori-sche Längsschnitte skizzieren und damit erklären, wie sich Häuser,Lebenswelten und Dinge im Lauf der Jahrhunderte, und manchmalauch nur innerhalb weniger Jahre, gewandelt haben. Wenn ich sel-ber durch unser Museum führe, merke ich, dass Besucherinnen undBesucher oft ganz überrascht sind, wenn ich erzähle, dass die meistenHäuser, die hierher transloziert wurden, nicht hier stehen, weil sieso schön sind, sondern vor allem deswegen, weil sie obsolet gewor-den waren, weil sie aufgegeben worden waren, weil niemand mehrso leben wollte. Und das verstehen Besucher und Besucherinnenzunächst natürlich nicht, weil viele, die hierherkommen, eigentlichauf der Suche nach vertrauten Bildern eines vagen„ Früher“ sind, undweil sie- wenn auch nicht explizit artikuliert das Bedürfnis habennach Kontinuität, nach Vertrautem, nach Heimatlichem in irgendei-ner Form.
Was wir daher als Freilichtmuseum leisten wollen nachden Bedingungen von Veränderungen zu fragen und dies dann auchaus unterschiedlichen Fragerichtungen zu tun-, ist etwas, was wirgemeinsam mit KooperationspartnerInnen angehen. Wir glaubennicht an eine, vermeintlich objektive Darstellung, sondern wir lassenmehrere unterschiedliche Zugänge und Erzählweisen zu. Wir bemer-ken, dass sich damit auch die Neugierde unseres Publikums verän-dert. Natürlich haben wir auch unser Stammpublikum, aber selbstdieses Stammpublikum und das sind zum Teil auch Menscheneiner Generation Sechzigplus – sagt: Super, dass ihr die Dinge jetztauch mal ganz anders macht!
UH: Mit welchen Institutionen kooperieren Sie?