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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2
tiert Bahr in einem Gespräch mit Ernst Mach und Emil Zuckerkandlüber Literatur und Philosophie.34 Freud selber zeigte sich in einemSchreiben an Schnitzler verwundert darüber,„ woher Sie diese oderjene geheime Kenntnis nehmen könnten, die ich mir durch mühseligeErforschung des Objektes erworben, und endlich kam ich dazu, denDichter zu beneiden, den ich sonst bewundert“.35
Wahrscheinlich ist die Frage nach dem Einfluss bereits falschgestellt, wie Michael Rohrwasser in seiner Kritik des Einfluss- Modellsbetont.„ Das Faszinierende an der Psychoanalyse war für viele geradedie Verbindung von Literatur und Psychoanalyse“, schreibt Rohrwas-ser,„ eine Grenzaufhebung und eine Anerkennung der Literatur alsErkenntnisweg“. 36 Wahrscheinlich sind die wichtigsten Bezüge zuSchnitzler und Freud jenseits oder vor der Psychoanalyse auszuma-chen, vermutet Rohrwasser weiter. An die Stelle des Bildes vom Ein-fluss tritt für ihn das eines„ Netzes[...], in dem Freud und Schnitzlerdurch viele Fäden und mit vielen Zentren verbunden sind". 37 Wirkönnen in der parallelen Beschaffenheit der künstlerischen und wis-senschaftlichen Entäußerungen in Wien um 1900 den Befund einerKonstellation im Sinne eines dichten Zusammenhangs wechselseitigaufeinander wirkender Personen mit einer identischen oder ähnli-chen Problemlage diagnostizieren. Das wird noch einmal verstärktdeutlich, wenn man darauf verweist, dass auch bildende Künstler wieGustav Klimt um 1900 die Reise nach Innen antraten und sich allego-risch dem Seelenleben zuwandten. Klimts Fakultätsbilder für die Aulader neuen Universität, Philosophie, Medizin, Jurisprudenz, geschaffenzwischen 1898 und 1907, erweisen sich als künstlerisch formuliertes,monumentales„ Traummaterial“.„ Den Handlungsbereich der Medi-zin", heißt es bei Schorske,„ stellte er dar als eine Phantasmagorie einerhalb im Traum verfallenen Menschheit, welche passiv im Strom desSchicksals sich ihren Trieben ergibt“.38 In der Verdichtungsmetapherder Cultural Studies, moment, die den historischen Augenblick meint,
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Ebd., S. 174.
Freud an Schnitzler am 8.5.1906; Wunberg( wie Anm. 33), S. 651.Michael Rohrwasser: Der Gemeinplatz von Psychoanalyse und WienerModerne. Eine Kritik des Einfluss- Modells. In: Konstanze Fliedl( Hg):Arthur Schnitzler im zwanzigsten Jahrhundert. Wien 2003, S. 72.Ebd., S. 86.
Schorske( wie Anm. 30), S. 226.