Aufsatz in einer Zeitschrift 
Konjunkturen des Denkens. : kulturanalytische Überlegungen zur Wissenschaftsforschung
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Rolf Lindner

Konjunkturen des Denkens.Kulturanalytische Überlegungen

zur Wissenschaftsforschung*

Der Begriff der Konjunktur hat im folgenden Beitrag eine doppelteBedeutung. Zum einen orientiert er sich am Börsenmodell, indembehauptet wird, dass auch wissenschaftliche Konzepte und WerkeKursschwankungen unterliegen, die in Zitationsdatenbanken und imWissenschaftsranking zutage treten. Zum anderen wird unter Kon-junktur im Sinne der conjuncture der Cultural Studies eine epochaleVerbindung zwischen unterschiedlichen Artikulationsformen undHandlungsbereichen zu einer gesellschaftlich- kulturellen Konstella-tion verstanden. Die konjunkturale Analyse in der Wissenschafts-forschung hilft uns, epistemische Brüche wie Paradigmenwechsel alsTeil eines generellen kulturellen Umbruchs zu verstehen.

Auch wissenschaftliches Denken unterliegt KursschwankungenImmer wieder aufs Neue werden wir, Studierende und Dozierendegleichermaßen, mit der Tatsache konfrontiert, dass es zu einemgegebenen Zeitpunkt AutorInnen, Konzepte, Werke( populär aus-gedrückt: Titel, Thesen, Temperamente) gibt, an denen anscheinendnicht vorbeizukommen ist. Wir können diese Tendenzen als Kon-junkturen wissenschaftlichen Denkens bezeichnen. Wissenschaft-liche Zeitschriften in unserem Fach Zeitschrift für Volkskunde,Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Schweizerisches Archiv fürVolkskunde oder ein Rezensionsorgan wie das Bayerische Jahrbuch fürVolkskunde

fungieren in diesem Zusammenhang gewissermaßen

Überarbeitete Fassung eines Vortrags anlässlich des 60. Geburtstags vonUniv.- Prof. Dr. Klaus Schönberger, gehalten am 9.5.2019 am Institut fürKulturanalyse der Alpen- Adria- Universität Klagenfurt.