Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Fendl, Elisabeth: Der „Egerer Ofen“ von Willy Russ. Volkskunst und Politik

  
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Der „Egerer Ofen“ von Willy Russ. Volkskunst und Politik
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Elisabeth Fendl, Der Egerer Ofen" von Willy Russ

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Bezug wird. Dieser 1891 von Wendelin Kopetzky komponierteMarsch enthielt in seinem ersten Teil zwei populäre EgerländerVolkslieder: Musikanten, sads recht brav,/ Musikanten, spülts festaf! Geigen, Dudlsoog, Kla( r) ne( t) n/ döi gebm a lusti's Lebm und Bin i niat a schöina Roußbuttnbou/ Bou, Bou, Bou, Roußbuttn-bou❝94beide finden auf dem Ofen eine bildliche Umsetzung.

Der Reichsrundfunk, der sich als Gehilfe der Heeres 95 sahund der Lieder als direkte oder indirekte Waffe pries, vereinnahmteden Egerländer Marsch um die Zeit des Einmarsches ins Sudetenlandimmer mehr.96 Der Marsch wurde zum Sturm- 97 und Kampflied"der Sudetendeutschen.98 Nach dem Anschluss des Egerlandes imOktober 1938 erlebte er ein erneutes Aufblühen, bevor er als Pro-pagandalied der Nationalsozialisten vom Marsch der Deutschen inPolen" abgelöst wurde.

Es ist davon auszugehen, dass Russ um die Konnotationendieses Marsches wusste und sich bewusst darauf bezog. Nicht nur vonBäumlová wird dies übersehen bzw. zu wenig berücksichtigt. NachAnbruch der Nazizeit wandte sich Willi Russ der konfliktfreien The-

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( Hg.): Das 20. Jahrhundert im Spiegel seiner Lieder(= Schriften derUniversitätsbibliothek Bamberg, 12). Bamberg 2004, S. 39-58.

Diese hatten u. a. durch die in den 1870er Jahren verfasste EgerländerLieder- Quadrille des in Wien als Bürgerschullehrer tätigen Hans Forsteraus Gottschau bei Plan eine weite Verbreitung gefunden, z. B. in: Vereinfür Egerländer Volkskunde( Hg.): Egerländer Volkslieder. Mit einer lite-rarischen Einleitung von Alois John, musikalische Bearbeitung von JosefCzerny. Eger 1898, S. 12-13.

Dieses und das nächste Zitat: Dietrich Wolf: Das Kampflied im Rund-funk als politische Waffe. In: Zeitschrift Reichsrundfunk", hg. von derReichsrundfunk- Gesellschaft Berlin 20, 1941/42, S. 388-391, hier S. 388.So lesen wir in der Zeitschrift Reichsrundfunk" im Dezember 1941, wäh-rend beim, Anschluss der Ostmark" kein einzelnes Lied besonders her-vorgetreten sei, sondern ein üppige[ r] Schatz traditionsreicher Märscheund schöner Volkslieder[...] in den Märztagen des Jahres 1938 dem nun-mehr Großdeutschen Rundfunk das Gepräge gaben, könne und müsseman beim Egerländer Marsch von einer programmatischen Bedeutung"sprechen. Die eigentliche Geschichte des Marsches missachtend, wirdberichtet, er sei ,, als Symbol des Egerländer Volkstumskampfes entstan-den, und[...] wurde zum akustischen Mittelpunkt der entscheidendenSeptembertage von 1938". Ebd., S. 389.

Karl Michael Komma: Das Lied im sudetendeutschen Kampf. In: Ober-deutsche Zeitschrift für Volkskunde 12, 1938, S. 74-79, hier S. 77.98 Hugo Theisinger: Erinnerungen an Böhmen. Lahntal 1978, S. 102.