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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2
reuth ein Kachelofen für die Dienststelle gekauft wurde und vondem Russ- Ofen keine Rede mehr ist, ist nicht geklärt. Trotz seinerauf den ersten Blick rein folkloristisch erscheinenden Motivik zeigtauch dieser Ofen ein höchst politisches Programm. Alleine die Grana-ten- Form und das am Sockel angebrachte Zitat„ Und wenn die Weltvoll Teufel wär“ macht ihn zu einem politischen Werk. Durch dieÜbernahme des aus dem Luther'schen Kirchenlied„ Ein feste Burg istunser Gott" stammenden Fahnenspruchs des k. und k. Infanterieregi-ments 73,90 dem auch Russ angehörte,„ Und wenn die Welt voll Teufelwär, wir folgen dir zu Ruhm und Ehr!" 91, sollte so ist zu vermuten
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die Verbindung der SS zu diesem„ Traditionsregiment“ hergestelltwerden. Dieser Fahnenspruch taucht zu verschiedenen Zeiten inden verschiedensten politischen Zusammenhängen auf, immer stellter eine„ Anfeuerung“ zum Kampf für die„ gerechte" Sache dar.92 Erwurde auch Teil des Regimentsmarsches der„ 73er", des sogenanntenEgerländer Marsches⁹³, auf den im Bildprogramm des Ofens deutlich
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SS Diensttagebuch 1939( wie Anm. 86), Eintrag vom 3.6.1939.
Erinnert sei an dieser Stelle an Kriegsnagelungen ähnlich geformterObjekte. Laut Bäumlová hat Russ diese Form bereits im Entwurf für einDenkmal für die Gefallenen der Schlacht bei Königgrätz 1866 aus denReihen der Egerer Infanterie gewählt. Vgl. Bäumlová( wie Anm. 4), S. 89,Anm. 43.
Das 1860 aufgestellte Regiment, dessen erster Garnisonsort Krakauwar, wurde nach Stationen in Wien, Theresienstadt, Prag und Innsbruck1889 nach Pilsen verlegt. Seiner Ergänzungsbezirksstation Eger mit derZuständigkeit für das westliche Böhmen wegen galt das Regiment als,, Egerländer Heimatregiment". Zur Geschichte des Regiments vgl. KarlLadek: Geschichte des k. u. k. Infanterieregimentes Albrecht Herzogvon Württemberg Nr. 73. Prag 1912; Alfred Zerlik: Das k. und k. Infan-terie- Regiment Nr. 73. In: Lorenz Schreiner( Hg.): Heimatkreis Eger.Geschichte einer deutschen Landschaft in Dokumentation und Erinne-rungen. Amberg 1981, S. 157–158.
Vgl. dazu auch Michael Fischer: Zur lyrischen Rezeption des Luther-liedes ,, Ein feste Burg ist unser Gott" im Ersten Weltkrieg. In: NicolasDetering, Michael Fischer u. Aibe- Marlene Gerdes( Hg.): PopuläreKriegslyrik im Ersten Weltkrieg(= Populäre Kultur und Musik, 7).Münster u. a., S. 67-95.
92 Vgl. z. B. Otto Rodhorsts Bestseller- Kriegsroman über die patriotischeStimmung bei der Mobilmachung 1914 mit dem Titel„ Und wenn dieWelt voll Teufel wär".
93 Zum Egerländer Marsch vgl. Elisabeth Fendl: Der Egerländer Marsch.Zur Politisierung von Musik im 20. Jahrhundert. In: Marianne Bröcker