Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Fendl, Elisabeth: Der „Egerer Ofen“ von Willy Russ. Volkskunst und Politik

  
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Der „Egerer Ofen“ von Willy Russ. Volkskunst und Politik
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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2

ben, eine Gauarbeitsgemeinschaft für Volkskunde, deren Aufgabeman vor allem im Sammeln sah, und eine Betreuungsstelle für Trachtund Volkskunst der NSDAP Sudetenland, die angewandte Volks-kunde betreiben sollte. Hanika hatte bereits vor 1938 an der Neu-gestaltung sudetendeutscher Trachten gearbeitet, dies wurde jetztim Rahmen der Partei fortgeführt. Auch eine Musterwerkstätte fürTracht und textiles Kunstgewerbe sollte entstehen. Das Konzept sahfür Eger also vor, dort Überlieferungsgüter zu sammeln, zu befor-schen und für die Neugestaltung nationalsozialistischer Volkskultur

zu verwerten.

Hanika blieb bei der Planung der Ausstellung den traditionel-len volkskundlichen Sammlungskonzepten der Zeit treu. Es findensich Ausstellungseinheiten zu Hausindustrie, religiöser Volkskunst,ländlichem Hausrat, daneben bemalte Möbel, Pferde- und Ochsenge-schirre, landwirtschaftliche Geräte. Den Themen ländliche Architek-tur und Tracht, also den Hauptforschungsgebieten Hanikas, wurdebesonders viel Raum gewidmet. Was die grafische Ausgestaltung desMuseums betrifft, wurde von Seiten der Gauselbstverwaltung, aberauch der Bezirkskunstpflege Wert darauf gelegt, als konform bekannteKünstler bzw. solche, die einschlägig gearbeitet hatten, zu berück-sichtigen.15 So wurden etwa Josef Michael Göhsl( Karlsbad/ KarlovyVary 1898- Bad Tölz 1950) 16 und Toni Schönecker( Falkenau/ Sokolov1893 Wangen 1979)" empfohlen, 18 die beide bereits für Schutzver-bände wie den Bund der Deutschen gearbeitet hatten. Die meisten der

15 Vgl. etwa Schreiben Josef Hanikas an den Kunstpfleger des Regierungs-bezirkes Eger, Max Struppe, Eger, 13.2.1942, SOKA Cheb, Fond 35,Karton 1, 4.

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Ausbildung an der Keramikfachschule in Teplitz, Meisterschüler vonAugust Brömse an der Akademie in Prag, freischaffend in Karlsbad tätig,u. a. Fresken in den Badehäusern in Gießhübel/ Kyselka und im Palast-hotel in St. Joachimsthal/ Jáchymov, zahlreiche Plakatentwürfe, u. a. zumKatholikentag Prag 1935 und für die NSDAP. Vgl. dazu: Saur. Allgemei-nes Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker,Band 56. München/ Leipzig 1957, S. 516.

Zu Leben und Werk Schöneckers vgl. die Ausstellung Toni Schönecker.Zeichner Maler Freskant 1893-1979. Vom Egerland nach Wangen im

Allgäu, Städtische Galerie Wangen, 2008.

Aktennotiz von Josef Hanika, SOKA Cheb, Národopisné muzeum Cheb,Fond 496, Karton 13.