Elisabeth Fendl
Der„ Egerer Ofen" von Willy Russ.Volkskunst und Politik
Für das ab 1939 geplante Volkskundemuseum in Eger/ Cheb gab dessenLeiter Josef Hanika als zentrales Objekt bei dem Künstler Willy Russeinen Zier- Kachelofen mit szenischen Darstellungen von EgerländerBräuchen und Trachten in Auftrag. Anhand dieses kunsthandwerk-lichen Objektes wird in dem vorliegenden Text die Verbindung vonpopulärer Ästhetik und Politik aufgezeigt. Willy Russ, der an derKeramikfachschule in Teplitz und an der Kunstgewerbeschule in Wienstudiert hatte, hatte bereits einen Ofen für die SS- Standarte Eger ent-worfen. Die Bildprogramme der beiden Öfen sind nur auf den erstenBlick unpolitisch. Sie verweisen auf zentrale Akteure des ReichsgausSudetenland ebenso wie auf von den Nationalsozialisten instrumen-talisierte Formen ländlicher Kultur und Lebensweise. Auch die Nach-kriegsgeschichte und die zu verschiedenen Zeiten je unterschiedlicheInterpretation des Ofens in der Tschechoslowakei und der TschechischenRepublik werden thematisiert.
Das Thema
Am
4. März 1941 fragte Josef Hanika, damaliger Leiter des Volks-kundemuseums Eger/ Cheb und führender Mitarbeiter der Sudeten-deutschen Anstalt für Landes- und Volksforschung in Reichenberg/Liberec, bei der Gauselbstverwaltung¹ des 1938 entstandenen Reichs-
1 Die Gauselbstverwaltung unter Gauhauptmann Anton Kreiẞl war miteinem eigenen Haushalt ausgestattet und konnte darüber weitgehendselbstständig verfügen. Man wollte damit erreichen, dass- so VolkerZimmermann in der Zeit der Nationalitätenstreitigkeiten gewachsene,eigenständige„ Formen des Volks- und Kulturlebens" der„ Sudetendeut-schen" in die Verwaltung des„ Altreiches" überführt würden. VolkerZimmermann: Die Sudetendeutschen im NS- Staat. Politik und Stim-mung der Bevölkerung im Reichsgau Sudetenland( 1938-1945)(= Ver-öffentlichungen der Deutsch- Tschechischen und Deutsch- Slowakischen