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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2
noch jungen“ österreichischen Nationalstaat dienen: Die„ österrei-chische Volkskultur" solle erhoben, verzeichnet und schließlich denTräger* innen, dem Volk, vor Augen geführt werden
all dies stärke
dann das„ Oesterreichertum“, da es sich so seiner„ Bedeutung“ alsüberlegene„, deutsche Kulturgestalt“ bewusst werde; wie Hans Moser1954 bemerkt, ein genereller Trend im Rahmen der österreichischenVolkskunde, welche die vor dem Krieg oft artikulierte Auffassung,Österreich sei für sich allein geschichts- und( volkskulturell) gesichts-los, widerlegen wollte.76 Die Vorstellung von einer traditionsreichen,lange zurückreichenden Volkskultur konnte als Ressource verstandenwerden, welche es vermochte, dieses diagnostizierte ideelle Vakuumin der Nachkriegszeit zu füllen.
Nichtsdestotrotz scheint Helbok im ÖVA- Mitarbeiterver-zeichnis nur als Gründungsmitglied sowie Mitherausgeber der erstenLieferung auf, seine kartographischen Texte zu Genialen erschienendemnach ausschließlich anderswo. Grund dafür dürften die unter-schiedlichen Streitigkeiten innerhalb der herausgebenden Gremiengewesen sein. Die staats- und volkspolitische Relevanz der Atlas-forschung jedenfalls sah Helbok analog zu seiner Genialenforschungauch hier in einer identitätsstiftenden Funktion für die Zweite Repu-blik. Der ÖVA stelle dem österreichischen„ Volke seine Art vor",mache sie„ durch einprägsame Bilder bewußt“ und schaffe so„ dieGrundlagen für jene Unternehmen, die die inneren Schäden wirk-sam bekämpfen werden. So einigen und kräftigen wir im Inneren." 78Damit könne einem attestierten Identitätsverlust der österreichischenBevölkerung entgegengewirkt, letztere so vor vermeintlichen Patho-
76 Vgl. Hans Moser, Gedanken zur heutigen Volkskunde. Ihre Situation,ihre Problematik, ihre Aufgaben. In: Bayerisches Jahrbuch für Volks-kunde 1954, S. 208-234, hier S. 209-210.
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So finden sich aus den Jahren 1958 bis 1967 umfangreiche Korrespondenz,Rundschreiben und„ Entgegnungen“ zwischen Ernst Burgstaller undAdolf Helbok, aber auch Hinweise auf Konflikte zwischen Richard Wolf-ram und Karl Ilg, vgl. dazu Universitätsarchiv Innsbruck, Nachlass Ilg,Schachtel ,, Allgemeiner Posteinlauf" und Schachtel„ Volkskunde: Volks-kundeatlas". Vgl. dazu auch Pesditschek 2019( wie Anm. 7), S. 288–293.Vgl. auch Ingrid Kretschmer: Verzeichnis der Autoren und Mitarbeiterdes Österreichischen Volkskundeatlas. In: Richard Wolfram( Hg.):Österreichischer Volkskundeatlas. Kommentar 6. Lieferung/ 3. Teil.Wien u. a. 1981.
Helbok( wie Anm. 68), S. 17.