Konrad J. Kuhn und Anna Larl, Denkkontinuitäten, Austrifizierung und...
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dabei auch die Situierung dieser Disziplin in einem strukturell kon-servativen Land mit autoritärem Grundpotential.
Erinnerungen an eine„ unvergängliche Schandeder Menschheitsgeschichte❝28
„ Für einen Volksforscher, der vor Erfüllung lebensbehüteterIdeen gestanden war, ging damals mehr als die kleine Exis-tenz eines Menschen unter, und für einen bewußten Deut-schen war dabei dies alles das äußere Zeichen für das tiefeund tragische Unglück, das unser Volk betroffen." 29
Das Ende des nationalsozialistischen Regimes kam für Hel-bok einer persönlichen Tragödie gleich, was er in seinen autobiogra-fischen Erinnerungen offen formuliert; bedeutete zugleich auch denVerlust seines Lehrstuhls, wenngleich dies für ihn keineswegs einemAusscheiden aus der akademischen Welt gleichkam. Die unmittelbareNachkriegszeit bezeichnete der bereits 65- jährige Helbok als„ fünfJahre des Existenzkampfes“, 30 welche er hauptsächlich zusammen mitseiner Frau und den neu angeschafften„ Helbokziegen“ in Götzens beiInnsbruck verbrachte: ein teilweises Verbot seiner Schriften, Haus-durchsuchungen³ und vor allem ein langwieriges Ringen um Pensi-onszahlungen waren für ihn unmittelbare private Folgen. In seinenVerteidigungsschriften versuchte er, sich selbst als seit jeher glühendenPatrioten, seine bisherigen Arbeiten als Werke voller österreichischemNationalstolz darzustellen; ebenso wie er seine Beteiligung am Atlasder Deutschen Volkskunde dazu nutzen wollte, um seine Eignung fürdie Mitarbeit am Österreichischen Volkskunde- Atlas zu unterstrei-chen. Die Auseinandersetzungen mit dem nationalsozialistischenAmt Rosenberg 32 wollte Helbok als versuchten Widerstand verstan-
28 Adolf Helbok: Erinnerungen. Ein lebenslanges Ringen um volksnaheGeschichtsforschung. Innsbruck 1963, S. 177.
29
Ebd., S. 176-177.
30
Ebd., S. 177.
31
Ebd., S. 153 und S. 172–173.
32 Vgl. Gerhard Lutz: Das Amt Rosenberg und die Volkskunde. In: Wolf-gang Brückner, Klaus Beitl( Hg.): Volkskunde als akademische Disziplin.Studien zur Institutionenausbildung. Wien 1983, S. 161–171.