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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 2
direkte Anbindung an die Universität dazu, weiterhin als Volkskund-ler aktiv forschen und publizieren zu können? Welche Rolle spieltedabei das Institut für Volkskunde der Universität Innsbruck und ins-besondere sein Nachfolger Karl Ilg? Was lässt sich am Umgang mitseiner Person über die Volkskunde im Österreich der Nachkriegszeitzeigen?
umstrittenen
Im Fokus stehen dabei nicht die von Helbok vorgenommenenideologischen Rechtfertigungen des Nationalsozialismus und die vonihm zahlreich und wendig formulierten Anpassungen seiner Biografiedurch Weglassungen und Umstellungen.24 Vielmehr fragen wir nachjenem wissenschaftlichen Feld namens„ Volkskunde“, in dem Helbokauch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert seinen- wenn auchPlatz hatte. Deutlich wird dabei einmal mehr, dass1945 für die Volkskunde in Österreich trotz zweifellos vorhande-ner„ Aufgabe, sich als akademisches Fach neu zu etablieren“ 25— nichtprimär als Zäsur zu verstehen ist, sondern dass ein„ Weitermachen“ invielfältiger Weise dominierte. 26 Ein Blick auf den Volkskundler AdolfHelbok, dessen Werk und ungebrochene Vernetzung nach 1945 ver-mag es so, den Denk- und Handlungsraum dieses spezifischen,„ imZuge der Verösterreicherung selbstgenügsam gebliebenen" 27 Fachesin wissensanthropologischer Perspektive auszuloten. Sichtbar wird
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Diese sind nachvollziehbar u. a. bei Reinhard Johler:„ Tradition undGemeinschaft". Der Innsbrucker Weg. In: Jacobeit, Lixfeld, Bockhorn( wie Anm. 8), S. 589-602, aber auch bei Pesditschek 2019( wie Anm. 7),Meixner( wie Anm. 5) und Goller( wie Anm. 14). Vgl. dazu auch dieUnterlagen im Personalakt zu Adolf Helbok im ÖsterreichischenStaatsarchiv/ Archiv der Republik, Bundesministerium für Unterricht,2. Republik.
Herbert Nikitsch: Volkskunde in Österreich nach 1945. In: Petr Lozo-viuk, Johannes Moser( Hg.): Probleme und Perspektiven der volkskund-lich- kulturwissenschaftlichen Fachgeschichtsschreibung. Dresden 2005,S. 79-101, hier S. 80.
Gleichwohl nehmen viele( auch neuere) Publikationen 1945 alsAusgangspunkt, fokussieren dabei aber genau auch das„ Anknüpfen undWeitermachen", vgl. Sabine Eggmann, Birgit Johler, Konrad J. Kuhn,Magdalena Puchberger( Hg.): Orientieren& Positionieren, Anknüpfen&Weitermachen. Wissensgeschichte der Volkskunde/ Kulturwissenschaftnach 1945. Münster, Basel 2019; Olaf Bockhorn: Neue Sachlichkeit?Volkskunde nach 1945. In: Archaeologia Austriaca 90, 2006, S. 17-29.Konrad Köstlin: Volkskunde: Pathologie der Randlage. In: Karl Acham( Hg.): Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften. Geschichteund fremde Kulturen. Wien 2002, S. 369-414, hier S. 410.