Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Kuhn, Konrad J.; Larl, Anna: Denkkontinuitäten, Austrifizierung und Modernisierungskritik.

  
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Denkkontinuitäten, Austrifizierung und Modernisierungskritik. : Adolf Helbok und die Volkskunde in Österreich nach 1945
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Konrad J. Kuhn und Anna Larl, Denkkontinuitäten, Austrifizierung und...

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Der gebürtige Vorarlberger Adolf Helbok ist demnach einBeispiel für einen ideologischen, durch seinen 1933 erfolgten Beitrittzur NSDAP überzeugten und zudem unbelehrbaren Nationalsozia-listen. Generell ist differenziert herausgearbeitet worden, wie Helboksich zu einem nationalsozialistischen Wissenschaftler entwickelte.Von vielen Autor* innen ist bereits auf die erstaunlichen Wendungenin seiner wissenschaftlichen Karriere hingewiesen worden, der erskrupellos und taktisch wendig alles untergeordnet habe.³

Diese wissenschaftshistorischen Einschätzungen seiner Bio-grafie sind triftig. Sie werden zudem gestützt durch verschiedene Sach-verhalte, so etwa durch den Umstand, dass sich Helbok im Jahre 1964eine Porträtbüste anfertigen ließ- er selbst beauftragte mit der Aus-führung jenen Bildhauer Kurt Schmid- Ehmen, der nicht nur von AdolfHitler geschätzt wurde, sondern zudem auch die Reichsadler für dieBerliner Reichskanzlei und das Nürnberger Reichsparteitags- Geländeentworfen hatte. Als deutlichsten Beleg für die Kategorisierung seinerPerson wird gleichsam die heutige Beliebtheit von dessen Schriften( und denen seiner Schüler* innen) in Kreisen der Neuen Rechten her-angezogen hier finden sich denn auch die einzigen Stimmen, dienationalsozialistische Positionen von Helbok heute bestreiten.10

Übersehen wird dabei allerdings, welche Effekte gerade dieseeindeutige Zuordnung von Helbok als schlechter Volkskundler" und

8 Diese innovative und differenzierte Sicht findet sich vor allem bei Meix-ner( wie Anm. 5), bei Reinhard Johler: Geschichte und Landeskunde:Innsbruck. In: Wolfgang Jacobeit, Hannjost Lixfeld, Olaf Bockhorn( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deutschenund österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun-derts. Wien, Köln, Weimar 1994, S. 449-462, bei Reinhard Johler:,, Volksgeschichte": Adolf Helboks Rückkehr nach Innsbruck. In: Jacobeit,Lixfeld, Bockhorn, ebd., S. 541-547; und bei Friedemann Schmoll: DieVermessung der Kultur. Der Atlas der deutschen Volkskunde" und dieDeutsche Forschungsgemeinschaft 1928-1980. Stuttgart 2009.Büste von, Univ. Prof. Dr. Adolf Helbok, Bronzeguss, Sockel aus Brec-cie, 16 x 19 x 6,2 cm, Höhe 28 cm. Das Objekt befindet sich seit 1976 imvorarlberg museum in Bregenz( Inv.-Nr. N 0674).

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Vgl. exemplarisch den Beitrag in der rechtsintellektuellen Zeitschrift"Sezession: Andreas Vonderach: Helboks Volksgeschichte. In: Sezession,23.4.2008, S. 20-23. Vgl. auch die Bezugnahme des rechtsextremistischenBunds freier Jugend auf Helboks Schriften, http://www.doew.at/erkennen/ rechtsextremismus/ neues- von- ganz- rechts/ archiv/ juni- 2004/bfj- wieder- im- netz( Zugriff: 19.11.2019).