Konrad J. Kuhn und Anna Larl
Denkkontinuitäten, Austrifizierung
und Modernisierungskritik.Adolf Helbok und die Volkskundein Österreich nach 1945
Am Beispiel des Volkskundlers und Historikers Adolf Helbok( 1883-1968), einem während des Nationalsozialismus führenden Vertreterrassisch- biologischer Volkstumsforschung, zeigt der Beitrag, wie diesersich und seine Arbeiten in die österreichische Volkskunde nach 1945einpasste. Deutlich werden Persistenzen epistemologischer Perspekti-ven bei gleichzeitigen begrifflichen Anpassungen, indem er etwa seine" Genialenforschung" auf ein neues Österreich- Bewusstsein ausrichteteund diese Wissensbestände damit anschlussfähig machte. Helbok wartrotz seiner Entfernung von der Universität Innsbruck zudem Teileines volkskundlichen österreichischen Milieus, das sich vor allem inden Arbeiten für den Österreichischen Volkskunde- Atlas versammelte.Die Volkskunde in Österreich war demnach bis in die 1960er Jahre invielfältiger Weise geprägt durch Kontinuitäten völkischen Denkens, diesich in austrifizierten" Wissensbeständen zeigten und mit konservativ-kulturpessimistischer Modernisierungskritik verbanden.
Das Urteil der Gegenwart über Personen der Vergangenheit kanneindeutig sein: Der Innsbrucker„ Volkskundler und Historiker"Adolf Helbok wird seit seinem Tod 1968 als völkisch argumentieren-der Rassist und als überzeugter Nationalsozialist wahrgenommen. Sowurde er direkt als„ Rassist" und als Vertreter„ nationalsozialistischen
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Für Hinweise, Anregungen und Kritik danken wir Reinhard Bodner,Helmut Eberhart, Michael J. Greger, Nikolaus Hagen, Reinhard Johler,Martina Pesditschek, Manuela Rathmayer und den Gutachter* innen.