Jahrgang 
122 (2019) / N.S. 73
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Literatur der Volkskunde

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träge. Ingrid Slavec Gradišnik verfolgt die schrittweise Integrationslowenischer EthnologInnen und FolkloristInnen in internationaleUnternehmungen( z. B. Ethnologischer Atlas von Europa). Chris-tian Marchetti zeigt anhand der Biographien eines nach dem Krieggeflüchteten ungarndeutschen Volkskundlers namens Eugen Bonomiund der siebenbürgischen Forscherin Luise Treiber- Netoliz exemp-larisch die Hemmnisse und Wege, die Brüche und Anknüpfungendie VertreterInnen kleiner südostdeutscher Volkskunden in ihrenVersuchen an die Vorkriegspraxis anzuschließen, durchlebten. Sel-tene Einblicke in die estnische Volkskunde gewährt Marleen Mets-laid ebenfalls anhand zweier Biographien: Der nach der russischenAnnexion des Landes 1944 nach Schweden geflüchtete, politisch sehraktive Eerik Laid kann zwar als Exil- Gelehrter in Schweden Fußfassen, erfährt aber eine fragmentierte akademische Karriere. Diein Estland gebliebene Aliise Moora war den strengen Repressionensowjetischer Wissenschaftspolitik unterworfen und wandte sich tra-ditionellen Folkloreforschungen zu.

Im zweiten Drittel des Buches tritt die nationale Wissenspro-duktion im Fach in den Vordergrund. Da eine kursorische Aufzäh-lung der zahlreichen Beiträge hier wenig Substanz aufweisen würde,möchte ich auf drei die Tagung resümierende Kommentare am Endeder Anthologie verweisen. Leonore Scholze- Irrlitz geht auf die Suchenach dem Material- Culture- Ansatz in Volkskunde, Ethnografie undEuropäischer Ethnologie in den 1950er bis 1970er Jahren. Ihre Per-spektive ist auf die Sachkulturforschung gerichtet und auf Studienim ländlichen Raum, beides Themen, die zwischenzeitlich aus demBlick"( S. 416) geraten seien, wie sie mit erkennbarem Bedauern fest-stellt. Die Beiträge der Tagung verdeutlichen ihrer Meinung nach ingroben Umrissen, wie intensiv sich der internationale und interdis-ziplinäre Austausch in diesem Zeitraum entwickelte. Zudem weistsie drauf hin ,, dass im Rahmen der Tagung eine junge Generationvon ost- und südosteuropäischen WissenschaftlerInnen das frühere sozialistische Andere aus ihrer Perspektive thematisierten.

Friedemann Schmoll arbeitet in seinem Resümee einigeblinde Flecken und Probleme der Fachgeschichtsschreibung heraus.Die Einsichten und Erkenntnisse der Studien blieben demnach zuoft auf der Ebene des Überschaubaren, des Familialen, des Biografi-schen und Nationalen. Das Verharren in kleinen fachgeschichtlichen