Literatur der Volkskunde
Sabine Eggmann, Birgit Johler, Konrad Kuhn, MagdalenaPuchberger( Hg.): Orientieren& Positionieren, Anknüpfen& Weitermachen: Wissensgeschichte der Volkskunde/ Kultur-wissenschaft in Europa nach 1945(= culture[ kylty: r] SchweizerBeiträge zur Kulturwissenschaft, Bd. 9). Münster/ New York:Waxmann 2019, 453 Seiten
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Waren die späten 1980er und frühen 1990er Jahre der fundiertenAufarbeitung und Erzählung der Geschichte der Volkskunde als„ Völkischer Wissenschaft“ gewidmet, so ist in den letzten Jahren dieNachkriegsgeschichte des Faches bis in die 1970er Jahre in den Mit-telpunkt gerückt. Die Öffnung der Archivsperren und die Bearbei-tung von inzwischen erschlossenen Nachlässen bilden Hintergründefür diese Entwicklung. Der gerne zitierte Paradigmenwechsel vonder traditionsgeleiteten Ursprungszentrierung hin zum„ Abschiedvom Volksleben“ gelangt langsam in den Fokus der Fachhistorike-rInnen, aber die Zeit davor bedarf offenbar noch der konstruktivenAufklärung.
Der Ausgangspunkt des hier zu behandelnden Bandes ist- wieso oft eine Tagung, die vom 16. bis 18. November 2017 am WienerVolkskundemuseum stattgefunden hat. Die Schweizer Gesellschaftfür Volkskunde und der Verein für Volkskunde in Wien traten dabeials Veranstalter auf und die österreichisch- schweizerischen fachhisto-rischen Beziehungen bildeten einen der Referenzrahmen. Paritätischkorrekt agierten jeweils zwei KollegInnen der genannten Nationenals HerausgeberInnen und gemeinsam verfassten sie den ersten von25 Beiträgen dieser sehr umfangreichen Publikation. Darin wird alsZiel definiert, die„ kleinen Nationen“ im deutschsprachigen Raumals Basis für einen internationalen Vergleich der empirisch fassbarenKooperationen in der Disziplin Volkskunde zu nehmen. Es geht umdie Modi des wissenschaftlichen Arbeitens, um Wissensproduktionim Fach, um Netzwerke, Positionierungen, Orientierungen und umgeschickte Umdeutungen von Axiomen, die notwendig waren, umdem nationalsozialistischen Image des zu Recht in Frage gestelltenFaches entgegenzutreten und ihm eine Zukunft zu geben.
Elisabeth Timm schließt mit In Wahrheit und im Wahrenvor und nach 1945- Kultur und Quellenforschung bei Hans Moser und