Literatur der Volkskunde
Alexandra Rabensteiner: Fleisch. Zur medialen Neuaushandlungeines Lebensmittels(= Veröffentlichungen des Instituts fürEuropäische Ethnologie der Universität Wien, Bd. 43). Wien:Verlag des Instituts für Europäische Ethnologie 2017, 168 Seiten
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Sich zu ernähren bedeutet, politisch zu handeln. Deshalb stand undsteht gegenwärtig die Nahrungswahl zur Debatte. Darunter fälltauch die Frage nach dem Konsum von Fleisch. Fleisch zu essen-in Analogie zum Vegetarismus als Karnismus bezeichnet-, wirdtransmedial verhandelt. Das Internet, analoge Ratgeberliteratur undverschiedene andere Medienformate nehmen sich des Themas ausunterschiedlichen Interessenslagen heraus an und prägen öffentlicheMeinungen wie alltägliche Ernährungspraxen. Selbst vegan lebend,ging Alexandra Rabensteiner der Frage nach, wie Fleisch im gegen-wärtigen öffentlichen Diskurs zweier großer Tageszeitungen und indrei sogenannten Fleischzeitschriften neu- so die These der Autorin- ausgehandelt wird.
Ausgangspunkt ist die Vermutung, dass Fleisch als Lebens-mittel und das Fleischessen als menschliche Ernährungspraktik in dieKrise geraten seien( S. 51). Fleischkonsum rufe„ heute überwiegendnegative Assoziationen“ hervor( S. 51), dabei sei eine Diskrepanz vongleichbleibend hohem Fleischkonsum( der weltweit sogar steigt) undder alltäglich wahrgenommenen negativen Konnotation zu beobachten.Es handelt sich bei dieser Veröffentlichung des Instituts fürEuropäische Ethnologie der Universität Wien um die Masterarbeitder Autorin, die im Jahr 2017 abgeschlossen wurde. Formal, in ihrerSprache und Argumentation, scheinen die Anforderungen an eineakademische Abschlussarbeit durch: So wird der Forschungsstand dereuropäisch- ethnologischen Nahrungsforschung aufgearbeitet, Klassi-ker aus Volkskunde( Günter Wiegelmann), werden Sozialgeschichte( Hans- Jürgen Teuteberg) und Soziologie( Eva Barlösius) konsultiertund die eigene Position im Feld wird dargelegt. Das methodischeVorgehen wird erklärt und eine Einordnung der eigenen Arbeit als„ medienanalytische Untersuchung des Ernährungswissens“( S. 18)vorgenommen. Fünf Abschnitte in zwei Teilen gliedern die Arbeit,vom Prolog über die„ kulturelle Dimension von( Fleisch-) Essen"( S. 34) mit einem Zwischenresümee, über einen Abschnitt zu den