Raffaela Sulzner, Kunst- und Kulturvermittlung
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Was bedeutet es für Museen, wenn sie für sich beanspruchen, eineBildungsinstitution zu sein?
Kunst- und Kulturvermittlung als kritische Praxis zu ver-stehen, bedeutet, hegemoniale Wissensproduktionen im Museumund die Frage danach, wer das Recht hat, für wen zu sprechen undwem eine Stimme zu geben, stets zu überprüfen.25 Mit Begriffen wiePartizipation und Co- Creation halten die Auseinandersetzungenin der Vermittlungstheorie im Museum Einzug und tragen maß-geblich zu einer Herausbildung kritischer museumspädagogischerAnsätze bei. Carmen Mörsch spricht dabei von KulturvermittlerIn-nen, die in Bezug auf jene Bildung, die im Museum stattfindet, einBewusstsein gegenüber den bestehenden Wissenshierarchien undMachtverhältnissen haben und sich dazu positionieren. Das schließteine antirassistische und antisexistische Haltung sowie Offenheitfür Auseinandersetzungen und Kontroversen mit ein. Wenn nichtbereits von der Institution eingehalten, sei es ihre Aufgabe, Gegen-erzählungen aufzuzeigen, Lücken und Widersprüche zu thematisie-ren, Inklusions- und Exklusionsmechanismen zu reflektieren undnicht zuletzt institutionelle Strukturen und Praktiken selbst in denBlick zu nehmen.26
Die Kunst- und KulturvermittlerInnen in Österreich verstan-den ihre Tätigkeit seit Beginn ihrer Etablierung in den 1990er Jahrenals institutionskritisch, was mitunter auch an der Namensgebungfreier VermittlerInnenkollektive wie dem StörDienst27 sichtbar wird.28
25 Vgl. schnittpunkt- Beatrice Jaschke, Charlotte Martinz- Turek, NoraSternfeld( Hg): Wer spricht? Autorität und Autorschaft in Ausstellungen.Wien 2005.
26 Vgl. Mörsch( wie Anm. 6), S. 20-21.
27
Der Name StörDienst entstand nach einem Hinweis des interimisti-schen Museumsdirektors an die BesucherInnen, dass sie sich durch diemuseumspädagogischen Programme in den Ausstellungsräumen nichtgestört fühlen sollen. Vgl. Claudia Ehgartner, Ivan Jurica: Die Grenzeder zeitgenössischen institutionellen Kunstvermittlung ist die Institutionselbst. In: Beatrice Jaschke, Nora Sternfeld( Hg.): educational turn.Handlungsräume in der Kunst- und Kulturvermittlung. Wien, Berlin2012, S. 147-152, hier S. 148.
28 Vgl. Renate Höllwart: Entwicklungslinien der Kunst- und Kulturvermitt-lung. In: ARGE schnittpunkt( Hg.): Handbuch der Ausstellungstheorieund-praxis. Wien, Köln, Weimar 2013, S. 41; vgl. Karin Schneider:Der StörDienst und seine Geschichte. In: Arbeitsgemeinschaftdeutscher Kunstvereine( AdKV)( Hg.): Dokumentation der Tagung