Aufsatz in einer Zeitschrift 
Einer gegen alle! : zur Visualisierung des deutschen Michels auf Bildpostkarten der späten Habsburgermonarchie
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Rudolf Jaworski

Einer gegen alle!

Zur Visualisierung des deutschenMichels auf Bildpostkarten derspäten Habsburgermonarchie

Der vorliegende Problemaufriss befasst sich mit dem österreichischenDoppelgänger des deutschen Michels, dessen Profil im Zuge der zuneh-mend virulenten Nationalitätenfrage während der letzten Jahrzehntedes Habsburgerreiches maßgeblich von der Auseinandersetzung mitden übrigen Monarchievölkern bestimmt wurde. Anhand ausgewählterzeitgenössischer Bildpostkarten wird somit eine kollektive Symbolfigurzum Thema gemacht, die für die Anfänge der österreichischen Identi-tätsfindung von erheblicher Bedeutung war, in der kulturhistorischenForschung aber bislang noch kaum Beachtung gefunden hat.

Die Nationalisierungs- und Demokratisierungsprozesse des 19. Jahr-hunderts haben in ganz Europa die Bedeutung und Relevanz kol-lektiver Symbole und Zeichen in der Öffentlichkeit gesteigert undmaßgeblich zu deren Popularisierung beigetragen.' Diverse Identifi-kationsfiguren verkörperten ganze Staaten und Nationen und solltenin personalisierter Form die vermeintlichen Charaktereigenschaftendes betreffenden Kollektivs zusammenfassend repräsentieren. Der,, deutsche Michel zählt zweifellos zu den prominenten und interna-tional bekannten Figuren dieser Kategorie.

1 Vgl. hierzu und zum Folgenden grundsätzlich Ute Gerhard, Jürgen Link:Zum Anteil der Kollektivsymbolik an den Nationalstereotypen. In:Jürgen Link, Wulf Wülfing( Hg.): Nationale Mythen und Symbole inder zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1991, S. 16-52; BerndGrote: Der deutsche Michel. Ein Beitrag zur publizistischen Bedeutungder Nationalfiguren. Dortmund 1967, S. 78-82.