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ÖZV, LXXIII/ 122, 2019, Heft 1
Aus Sicht der Teilnehmerinnen: Rezeption und IdentitätsarbeitDie Mütter kamen oft mit spezifischen Problemstellungen in die Lak-tationsberatungsgruppe und erhofften sich konkrete Handlungsemp-fehlungen zu deren Lösung. Die Teilnehmerinnen versuchten sichgegenseitig Hilfe anzubieten, indem sie von ihrer eigenen Alltagspra-xis erzählten. Abgesehen von Stillpraktiken, die demonstriert wur-den, gaben die Stillberaterinnen aber oft unspezifische Ratschläge undbestärkten die Mütter eher grundlegend in ihrem Tun. Ihr Rat zurVerbesserung der Situation setzte dabei meist an der Einstellung undHaltung der Mutter an. So empfahlen die Stillberaterinnen zum Bei-spiel jener Mutter, die über die Belastungen des Schlafmangels klagte,die Situation anzunehmen, da diese so leichter zu ertragen sei, undsich nach Möglichkeit kleine Auszeiten im Alltag zu suchen, um Kraftzu tanken. Nach der ermutigenden Erfahrung in der Laktationsbera-tungsgruppe standen die Mütter, zu Hause angekommen, aber oft vordemselben ungelösten Problem, wie Marina63 im Interview erzählte:
Marina[ mit acht Monate alter Tochter]: Ich finde immer, esist ganz witzig, man geht dann nach Hause und denkt sich,ja passt eh alles< lachend: oder, ich mache eh alles richtig>weil sie[ die Stillberaterinnen, HK] halt einfach, eben, sagen,es PASST, wenn man sie immer stillt, und es passt, wenn sielang am Busen liegen, und so. Ähm(.) aber MANCHMALeben, wenn ich dann wieder im Bett liege und nicht loskommevon ihr, dann denk ich mir, ja< lachend: aber eigentlich passt'sauch nicht. Aber es ist sicher, ich geh' ja manchmal nochzur Mutterberatung und die sagt dann, ja jetzt sollte sie[ dieTochter, HK] schon langsam im eigenen Bett schlafen undjetzt solltest ihr das angewöhnen und eine Stunde Mittags-schlaf und ich sollte schauen, dass ich sie immer zur gleichenZeit niederlege. Und dann denk ich mir< atmet geräuschvollaus: das ist so GAR NICHT meins>. Und dann denk ichmir, da ist die Laktationsberatungsgruppe halt eher auf mei-nem Level. Ich glaube, das ist so für Mamis, da holt sich dannjeder das< amüsiert: was er hören will>.64
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Der Namen der Interviewpartnerinnen wurden pseudonymisiert.