Hannah Kanz
Augenringe als Erfolgsnachweis.Deutungsmuster und
diskursive Praktiken in einerLaktationsberatungsgruppe
Elternschaft präsentiert sich aus kulturwissenschaftlicher Sicht als einFeld divergierender moralischer Deutungsansprüche mit kompetitivemCharakter. Scheinbar marginale Entscheidungen für oder gegen Erzie-hungsmethoden werden zu Identitätsfragen. Dieser Beitrag untersuchteine Laktationsberatungsgruppe als Teil des Stillförderungsdispositivsund beispielhaften Ort der Diskursaktualisierung und analysiert, wieAlltagserfahrungen durch diskursives Sprechhandeln in den bindungs-orientierten Diskurs eingepasst werden. Dabei zeigt sich, dass Mütterin der Laktationsberatungsgruppe sowohl Deutungsmuster zumUmgang mit Kritik als auch diskurstypische Positionierungen einüben.
Einleitung
„ Weil uns die Selbstverständlichkeit im Umgang mit kleinen Kindernverloren gegangen ist, kommt hier alle paar Jahre ein neuer Ratgeberauf den Markt, der die Debatte um das beste Erziehungsmodell miteiner gegensätzlichen Meinung anheizt",' schreibt die Zeit- Redak-teurin Wenke Husmann in ihrem Artikel Die Jammermamas. Bei-träge zur Elternschaft erscheinen in regelmäßigen Abständen in denMedien, sei es eine Diskussion über kontroversielle Ratgeber wieJedes Kind kann schlafen lernen, 2 seien es polarisierende Filme wie die
1
Wenke Husmann: Die Jammermamas. In: Zeit Online, https: // www.zeit.de/kultur/2017-09/erziehung-attachment-parenting-muetter-selbstaufopferung( Zugriff: 6.3.2019).
2
Siehe zum Beispiel Anke Kotte: US- Kinderärztin rät:„ Wenn Ihr Kind
nicht schlafen will, sperren Sie es ein!“. In: Focus Online, https: // www.