Jahrgang 
124 (2021) / N.S. 75
Seite
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Literatur der Volkskunde

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sehr erhellend, und so stellte sich auch bei mir des Öfteren ein Aha-Erlebnis in Bezug auf mein eigenes Hobbynähen ein.

LYDIA MARIA ARANTES

Katharina Steiner: Gemachte Körper. Eine Kulturanalyse

der Inkorporierung von Bein- und Armprothesen

(= Grazer Beiträge zur Europäischen Ethnologie, Bd. 26).Weimar: Jonas Verlag 2020, 96 Seiten.

Mit ihrem Buch Gemachte Körper. Eine Kulturanalyse der Inkorporie-rung von Bein- und Armprothesen nimmt sich Katharina Steiner einesspannenden Themas an, der Kultur der Behinderung oder des Behin-dertwerdens, das bisher in der Europäischen Ethnologie wenig behan-delt worden ist. In der Untersuchung, die auf eine Masterarbeit amInstitut für Kulturanthropologie der Universität Graz zurückgeht, ana-lysiert sie sehr einfühlsam den Umgang und die Inkorporierung vonBein- und Armprothesen. Anhand der Verquickung von Rolf Lindnerskulturanalytischem Zugang, Pierre Bourdieus Habituskonzept undErving Goffmans Überlegungen zur Performanz und LebenssituationBehinderter, versucht Katharina Steiner den Veränderungen des Kör-s durch den Einfluss des Technischen bei herkömmlichen sowie beiHigh- End- Prothesen auf die Spur zu kommen. Es geht ihr dabei umdie damit verbundenen Körperbilder im Kontrast zu einem ,, norma-len' ,, schönen' ,, funktionierenden Körper( S. 9). Der Fokus liegt aufder Veränderung der Körperwahrnehmung, wenn ein Körperteil, einArm oder Bein, fehlt. Und autoethnografisch reflektiert Steiner ihreeigene Situation im Feld, zu dem sie als Rollstuhlfahrerin teilweiseleichtere und zum Teil auch erschwerte Zugänge gefunden hat.

pers

Im größten Themenblock des Buches geht es um das allge-meine Dazwischen, die Schwebe gesellschaftlicher Rollenbilder, diesich in verschiedenen Situationen des Alltags oft spontan und dia-metral zueinander ergeben. Wie wird in diesen Situationen die Pro-these getragen, angenommen oder abgelehnt, wie wird Behinderungund Normalität sozial produziert oder zerstört? Dieses Kapitel, dasdem großen Überthema Inkorporierung folgt, ist das eigentliche