Literatur der Volkskunde
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Kammerhofer- Aggermann, auch insofern nicht nachvollziehbar, alsMalkiewicz ohnehin nicht dezidiert für eine mythologische Interpre-tation votiert. Doch bleiben diese absolut überholten Vorstellungendurch sein ständiges Lavieren im Raum stehen.
Für die Tresterer selbst sollte diese Diskussion eigentlichkeine Rolle spielen sie pflegen ihren Brauch hoffentlich auch inden nächsten 100 Jahren und darüber hinaus. Vielleicht werden sichdann ,, die nächsten Interessierten[...] mit diesem Brauch auseinander-setzen“( S. 300).
HELMUT EBERHART
Hilsberg, Pia- Marie( 2021): Echt selbstgemacht. Authentizitätals ästhetische Erfahrung. Tübingen: Tübinger Vereinigung fürVolkskunde e. V. 2021, 184 Seiten, SW Abb.
Mit dem vorliegenden Buch, das 2019 als Dissertation an der Wirt-schafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Eberhard- Karls-Universität Tübingen eingereicht wurde, begibt sich Pia- Marie Hils-berg auf die Spuren von Selbermacher: innen. Ganz konkret beschäftigtsie sich mit der Herstellung von Authentizität im Rahmen des gemein-samen Nähens in Nähcafés und-treffs sowie des urbanen Gärtnernsauf einem Parkhausdeck. Dabei geht es ihr nicht um Authentizität inBezug auf die( hergestellten) Dinge, sondern auf die sie herstellendenMenschen bzw. deren Körper.„ Authentizität ist nicht das, was einMensch hat, sondern was er tut“( S. 166). Ihre Studie trägt somit zumkulturwissenschaftlich etablierten Verständnis von Authentizität alsetwas Hergestelltem, Inszeniertem und Verhandeltem bei.
Die Wahl des Kleidungnähens und Gärtnerns begründetdie Autorin damit, dass es sich hier um Tätigkeiten mit und für denKörper handelt. Dabei stellt sie insbesondere die Erfahrungsquali-tät ins Zentrum, weil beim Selbermachen aufgrund der Loslösungvon Notwendigkeitszusammenhängen schon längst nicht mehr dieFunktion im Vordergrund stehe. In den von ihr untersuchten Fel-dern liege der Fokus auf dem Herstellungsprozess anstatt auf einereffizienten bzw. zielgerichteten Selbstversorgung. An dieser Stelle ist