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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 2
Bericht zur Veranstaltung„ Decolonial Summer School",Technisches Museum Wien, 30./31. August 2021
Dass die Frage des Umgangs mit Objekten aus kolonialen Kontex-ten nicht nur ethnografische Museen betrifft, sondern grundsätz-lich alle europäischen Museen unterschiedlicher Ausrichtung undSammlungsschwerpunkte, ist inzwischen weitestgehend Konsens.Seit 2020 setzen sich vier österreichische Bundesmuseen- das Tech-nische Museum Wien( TMW), das MAKMuseum für ange-
wandte Kunst, das Naturhistorische Museum und das Weltmuseum― in einem vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicherDienst und Sport( BMKÖS) geförderten Projekt mit den kolonialenAspekten ihrer Sammlungen auseinander. Unter dem Titel„ KolonialeObjekte an österreichischen Bundesmuseen“ wurden an den Partner-museen unterschiedliche Forschungsprojekte und Veranstaltungsfor-mate initiiert. In diesem Rahmen fand nun am Technischen Museumeine erste„ Decolonial Summer School“ statt, die in Impulsvorträgen,Workshops und Diskussionen aktuelle kuratorische sowie museums-politische Fragestellungen behandelte. Es nahmen Mitarbeiter* innenösterreichischer und deutscher Kultur-, Forschungs- und Bildungs-institutionen( BMKÖS, Deutsches Zentrum für Kulturgutver-luste, Haus der Geschichte Österreich, Hochschule für Technik undWirtschaft Berlin, MAK, Naturhistorisches Museum, TechnischesMuseum Wien, Volkskundemuseum Wien) sowie Vertreter* innenzivilgesellschaftlicher und aktivistischer Initiativen( 3RRR Restitu-tion, Rehabilitation, Reconciliation, AfricAvenir, DEKOLONIALEBerlin und Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland) teil.
Als Auftakt stellte das TMW- Projektteam um MartinaGriesser- Stermscheg, Andrea Berger, Vanessa Spanbauer und SusanneWernsing das laufende Forschungsprojekt zu Objekten aus kolonialenKontexten in den Sammlungen des TMW vor. Was ist überhaupt einkoloniales Objekt in technikhistorischen Sammlungen in Österreich?Zur Tiefenbohrung setzt sich das Projekt erstens mit Rohstoff-, ins-besondere Kautschukproben in den TMW- Sammlungen auseinanderund zeigt auf, wie sich die globalen Rohstoff- und Produktionsnetz-werke bis in das 20. Jahrhundert durch koloniale Verhältnisse undAusbeutungen konstituierten. In einem weiteren Schwerpunkt geht