Jens Wietschorke, Kirchenraum und Konfession in Zeiten der Pandemie
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verursachten drastischen Einschnitt in alle liturgischen Handlungs-abläufe und zeigen, wie die körperlichen und kommunikativen Ord-nungen der kirchlichen Praxis„ in Präsenz“ unter den Bedingungender Ansteckungsprävention durcheinandergeraten.27 Sowohl die litur-giewissenschaftlichen Beiträge als auch die Dokumente wären eineeigene Analyse wert, gerade unter dem Aspekt konfessioneller Ver-gleiche. Unter anderem könnte unter Rückgriff auf dieses Materialdie Frage nach der Funktion des Kirchenraums neu gestellt werden. Inmeiner Studie zu Kirchenräumen in Wien habe ich argumentiert, dassdie Materialität der Räume und Artefakte- von der Eingangssitua-tion über Kirchenbank und Beichtstuhl bis zum Hochaltar- wesent-lich dazu beiträgt, religiöse Praktiken, Wahrnehmungs- und Deu-tungsmuster mit Sinn auszustatten, zu stabilisieren und auf Dauerzu stellen. Ich habe darüber hinaus versucht zu zeigen, dass Kirchen inder Geschichte immer auch„ formative Räume der symbolischen undimaginären Konstruktion von Gemeinschaft und Gesellschaft“ waren,„ Gedächtnisspeicher kollektiver Erinnerung und geschichtspolitischerSetzungen, Räume der Aushandlung von Sozialität und Gesellschafts-formationen sowie Orte, an denen imaginäre Identifikationsprozessezwischen Individuen und Kollektiven stattfinden". 28 Auf der Basis derkurz vorgestellten Umfrageergebnisse lässt sich vermuten, dass dieformative Funktion von Kirchenräumen für symbolische Ordnun-gen des Sozialen mit dem zeitweiligen Wegfall des Kirchenraums alsVersammlungsort und dessen Regulierung durch Hygienekonzepteweiter abnimmt. Schon seit Jahrzehnten sorgt der drastische Rück-gang des Kirchenbesuchs dafür, dass der Kirchenraum kein zentraler
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So heißt es beispielsweise in der von Robert Kardinal Sarah unterzeich-neten ,, Note zum Aschermittwoch", die der Vatikan am 12. Januar 2021ausgegeben hat:„ Deinde sacerdos abstergit manus ac personam ad pro-tegendas nares et os induit, turn imponit cineres ad ipsum accedentibusvel, pro opportunitate, accedit ad eos, qui in locis suis stant. Sacerdos capitcineres et spargit super caput unicuisque, nihil dicens“.„ Dann reinigtder Priester seine Hände, setzt die Maske auf, um Nase und Mund zubedecken, und legt denjenigen, die zu ihm herantreten, die Asche auf odernähert sich, wenn es angebracht ist, denjenigen, die an ihrem Platz stehen.Der Priester nimmt die Asche und lässt sie auf das Haupt eines jedenfallen, ohne etwas zu sagen". Feulner, Haslwanter( wie Anm. 25), Doku-mentationsteil, S. 40-41.
28 Wietschorke 2019( wie Anm. 5), S. 33.