Jens Wietschorke, Kirchenraum und Konfession in Zeiten der Pandemie
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Sendungen. Dabei ist erstaunlich, dass die Beliebtheit dieses For-mats bis heute gestiegen ist, obwohl die meisten Sendeformate desöffentlich- rechtlichen Fernsehens nach Etablierung der Privatsenderin den 1980er Jahren an Zuschauer* innen verloren haben.13 Für vieleMenschen war es ab März 2020 also keineswegs eine neue Erfah-rung, die Messe oder den Wortgottesdienst zu Hause am Bildschirmmitzuverfolgen; gerade älteren Menschen, die kaum noch das Hausverlassen können, ist die Praxis des virtuellen Gottesdienstes im Fern-sehen längst zu einer alltäglichen Routine geworden.
Interessant sind die theologischen Statements zum Fernseh-gottesdienst wiederum aus der konfessionell- vergleichenden Pers-pektive. Beispielsweise„ fordert die aus der katholischen Theologiebegründete Konzeption des Fernsehgottesdiensts unbedingte Raum-Zeit- Identität für die Übertragung der katholischen Messe[...]. Fürdie Praxis heißt das: Jeder Gottesdienst wird live übertragen, weil dasgottesdienstliche Geschehen nicht auf Konserve aufgezeichnet undbeliebig reproduziert werden könne“.14 Selbstverständlich geht die-ses Prinzip auf die besondere Konzentration der katholischen Litur-gie auf den„ heiligen Ort“ zurück, in dessen Zentrum der ortsfeste,geweihte und mit Reliquien ausgestattete Altar steht. VergleichbareVorgaben sind denn auch auf evangelischer Seite nicht zu finden, wasauch die stärkere Offenheit der protestantischen Kirchen für die neu-eren Online- Formate erklärt. Konfessionelle Unterschiede sind auchhinsichtlich der Bindung der Fernsehgottesdienste an ein spezifischesGebäude festzustellen: Während die ab 1979 etablierten katholischenFernsehgottesdienste in der Regel mehrfach hintereinander aus der-selben Gemeinde kamen, um eine feste Beziehung zwischen Zuschau-er* innen auf der einen und Raum, Gemeinde und Mitwirkenden aufder anderen Seite herzustellen, ging es auf protestantischer Seite eherdarum,
"[...] die Vielfalt von Liturgien und geistlicher Sprache imdeutschen Sprachraum[ zu] dokumentieren. Also werdenGottesdienste alle vierzehn Tage aus einer anderen Kirche
12 Vgl. Haberer( wie Anm. 9), S. 128.
13
Vgl. ebd.
14
Ebd., S. 129.