Jens Wietschorke
Kirchenraum und Konfessionin Zeiten der Pandemie:Forschungsfragen zur Digital
Religion
Wie in fast allen Bereichen des Arbeits- und Alltagslebens hat dieCovid- 19- Pandemie 2020/21 auch in den Kirchen einen massivenDigitalisierungsschub ausgelöst. Zeitweise waren die Kirchen fürGottesdienste komplett geschlossen, zeitweise durften kirchlicheVeranstaltungen nur unter strengsten Hygienevorschriften statt-finden. Für die katholische Kirche verwies Walter Kardinal Kasperauf die absolute historische Singularität dieser Situation: Dass„ anOstern, dem Hochfest der Christenheit, auch in Rom kein gemein-samer öffentlicher Gottesdienst stattfand, das ist in bald 2000 JahrenKirchengeschichte noch nie vorgekommen“." Wenn wir dem Pionierder Religionssoziologie Emile Durkheim darin folgen, dass„ die Ideeder Gesellschaft die Seele der Religion ist“, 2 es also in allen religi-ösen Praktiken wesentlich um die Artikulation und Versammlungdes Sozialen geht, dann wurde die Kirche durch die Kontaktverboteund Abstandsregeln in ihrem konstitutiven Kern getroffen. Aller-dings erlauben die technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhundertseine nahezu unterbrechungsfreie Fortführung der gewohnten reli-giösen Praxis: In zuvor nie gekanntem Umfang wurden und wer-den Gottesdienste digital abgehalten, ergänzt um zahlreiche weitereOnline- Angebote wie Seelsorge, Gesprächskreise, Andachten und
1
2
Walter Kardinal Kasper: Corona- Virus als Unterbrechung- Abbruchund Aufbruch. In: Walter Kardinal Kasper, George Augustin( Hg.):Christsein und die Corona- Krise. Das Leben bezeugen in einer sterbli-chen Welt. Mit einem Geleitwort von Papst Franziskus. Ostfildern 2020,S. 11-28, hier S. 12.
Emile Durkheim: Die elementaren Formen des religiösen Lebens.Frankfurt a. M. 1981, S. 561.