Gudrun Ratzinger, Metadinge
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Mal gleichsam transparent, um für etwas anderes zu stehen. Kurz:Zwischen den Dingen passiert viel, und auch wir befinden uns mittenunter ihnen, sind in einem dichten Geflecht mit ihnen verwoben.
Kunstwerke, die alltägliche Gegenstände integrieren, unter-streichen den Umstand, dass uns Alltagsgegenstände nie nur in ihrerStofflichkeit, sondern als Gemenge materieller wie immateriellerAspekte begegnen. Es bietet sich daher an, Kunstwerke beim Nach-denken über das, was Dinge tun, und das, was wir mit Dingen tun,heranzuziehen. Die in der Ausstellung Zwischen den Dingen gezeigtenWerke fungieren gleichsam als„ Metadinge“ – als Dinge zweiter Ord-nung, die Dinge erster Ordnung integrieren und erlauben, die Dingeerster Ordnung anders zu sehen.
Seit mehr als einhundert Jahren finden sich industriell herge-stellte Gegenstände als Kunstwerke in privaten und musealen Samm-lungen, an Galeriewänden oder abgebildet in Kunstmagazinen – seies ein auf der Straße gefundener Eisenring, sei es eine Beißzangevor einem Waschbrett als Relief, sei es ein auf den Kopf gestelltesund signiertes Urinal. Und seither üben Alltagsgegenstände inner-halb der Kunst ganz unterschiedliche Funktionen aus: Sie dienen derBefragung dessen, was die Grenzen von Kunst ausmacht, liegen imVersuch, Kunst und Leben zu vereinen, oder verweisen als Stellvertre-ter auf Abwesendes, um nur einige der möglichen Funktionen zu nen-nen. War das Einbeziehen gefundener Objekte zunächst eine ästheti-sche Strategie, die punktuell in avantgardistischen Zusammenhängenangewandt wurde, ist dies heute weit verbreitet. Für den Kunsthis-toriker David Joselit gehören Readymades neben der Aussage unddem Dokument zu jenen„ Bausteine[ n] aus der Konzeptkunst“, diedie Basis zeitgenössischer Kunstpraxis bilden. Dort fungieren sieals„ Lexika oder gar Paletten- kompositorischer Elemente, diebereits von Bedeutung durchtränkt und von den ästhetischen undtechnischen Verfahren des kommerziellen Designs durchflutet sind“.15
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Vgl. beispielsweise die Werke Enduring Ornament( 1913) von Elsa vonFreytag- Loringhoven, Relief mit Zange( 1914/1915) von Iwan Puni oderMarcel Duchamps Fountain( 1917).
David Joselit: Über Aggregatoren. In: Eva Kernbauer( Hg.): Kunst-geschichtlichkeit. Historizität und Anachronie in der Gegenwartskunst.Wien 2015, S. 115-127, hier S. 119–121. Auch die Form des Dokuments,das der Sicherung von Ereignissen oder Erfahrungen dient, ist aus