Aufsatz in einer Zeitschrift 
Metadinge : Werke der Gegenwartskunst im Volkskundemuseum Wien
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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 2

wie der Fashion Week Paris als auch in Galerien und Museen. Mitdiesen vielfältigen Transfers lotet Gronostay nicht nur die Zirkulationvon Waren, sondern auch die Schaffung von Werten aus.

Es geht dabei nicht nur um die monetären Werte, die durchProduktion, Distribution und Wiederverwertung von Secondhand-kleidung zu erzielen sind, oder, im Fall des Künstlers, um jenenMehrwert, den er durch seine Gesten der Wahl, der Unikatisierungund der Kennzeichnung als Markenprodukt schafft. Es geht auchum diese höchst subjektiven, emotionalen Werte, die Kleidungsstü-cke für Menschen besitzen. Denn sie sind viel mehr als lediglich derSchutz vor äußeren Einflüssen. Sie dienen als zweite Haut und sindein zentrales Bindeglied zwischen dem Verständnis von der eigenenIdentität und Rolle sowie dem sozialen Umfeld. Gronostay unter-streicht diesen Aspekt von Kleidung, indem er Teile seiner Kollektionmit Haarfärbemittel behandelt. Er verweist damit auf die verbreitetePraxis des Bleichens von dunklen Haaren und dunkler Haut, die engmit rassifizierten Schönheitsnormen verknüpft ist.

Schnelldurchgang durch die Ausstellung

Wie die bisher beschriebenen Werke verstehen Edith Payer und ichauch die anderen in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Arbei-ten als Knotenpunkte. Sie bringen vergangenen und gegenwärtigenDinggebrauch zusammen, verweisen auf Kontexte jenseits dessen,was materiell vorliegt, und reflektieren mit ihrer Formensprache denStatus als Kunstdinge und Repräsentationen. So geht es bei den bei-den ausgewählten Videoarbeiten von Markus Hanakam und Roswi-tha Schuller um Gegenstände als Zeichenträger. Gleich Semiophorenscheinen sie ihre Bedeutung durch den Präsentationszusammenhangzu erhalten das heißt durch jene Worte, die in den Videos den prä-sentierten Gegenständen zugeordnet sind.13 In einer Zeit, die von dendurch die Digitalisierung angestoßenen Transformationen zutiefstgeprägt ist, loten Anna Vasofs kurze Videosequenzen die Beziehungzwischen Menschen und analogen Maschinen bzw. Werkzeugen aus.Heike Bollig zeigt eine Auswahl aus ihrem Archiv errors in production.

13 Zum museologischen Begriff Semiophor siehe Krzysztof Pomian:Der Ursprung des Museums. Vom Sammeln. Berlin 1988.