Gudrun Ratzinger, Metadinge
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bekannten Formeln der Verteilung von horizontalen und vertikalenElementen, verhindern diese doch schlicht, dass eine Skulptur umfällt- egal ob es sich um ein übergroßes bronzenes Reiterstandbild odereine Plastik aus gefundenen Flaschenverschlüssen handelt.
Die Gegenüberstellung der Werke von Senge und Mikelzu Beginn der Ausstellung ist von uns als Hinweis darauf gedacht,dass der Umgang mit Dingen je nach Zeit und Ort unterschiedlichgeprägt ist. Soziale, religiöse, ökonomische und kulturelle Bedin-gungen haben Anteil daran, wie Dinge gesehen werden können undwie sie zirkulieren. Sie stehen den Menschen nicht allein in ihrermateriellen Verfasstheit gegenüber und erschöpfen sich auch nicht inihrem Gebrauchszweck. Vielmehr sind sie eingebunden in ein dichtesGeflecht an Bezügen, Werten und Konventionen.
Transfers zwischen den Welten
Museen haben seit jeher durch die von ihnen angewendeten Arten derPräsentation einzelne Dimensionen der Exponate ins Licht gerücktund damit andere zum Verschwinden gebracht. Mit Phylogenie derSchlitzschraube erinnert Edith Payer an die Frühzeit von naturwis-senschaftlichen und kulturhistorischen Museen, deren Sammlungendazu dienten, Wissen zu akkumulieren. Für Bruno Latour ist die" Wissenschaftsgeschichte zum Großteil die Geschichte der Mobili-sierung von allem, was dazu gebracht werden kann, sich zu bewe-gen und für diese weltweite Erfassung nach Hause zurück verschifftzu werden". Waren etwa Präparate einmal an einem Ort wie demNaturkundemuseum versammelt, mussten Wissenschaftler keinemühsamen Expeditionen in weit entfernte Gebiete auf sich nehmen,um einen Überblick zu gewinnen, sondern der Blick in Schaukästenund Schubladen genügte.„ Die Zoologen sehen neue Dinge, da dies daserste Mal ist, dass so viele Lebewesen vor den Augen von jemandemversammelt sind; das ist alles“, so Latour,„ was an diesem geheimnis-vollen Ursprung einer Wissenschaft steht".10
9 Bruno Latour: Die Logistik der immutable mobiles. In: Jörg Döring,Tristan Thielmann( Hg.): Mediengeographie: Theorie- Analyse-Diskussion. Bielefeld 2009, S. 126. Hervorhebung im Original.Ebd., S. 127.
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