Aufsatz in einer Zeitschrift 
Metadinge : Werke der Gegenwartskunst im Volkskundemuseum Wien
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Gudrun Ratzinger, Metadinge

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lenkt. Die Ausstellung Zwischen den Dingen. Künstlerische Perspek-tiven zur materiellen Kultur der Gegenwart, die von Edith Payer undmir kuratiert wurde, ist der Versuch, Besucher* innen Facetten vonAgency vor Augen zu führen. Wir haben dafür im Volkskundemu-seum Wien Kunstwerke versammelt, die gewöhnliche, unscheinbareoder obsolete Alltagsgegenstände in unterschiedlicher Weise- etwaals Bildgegenstand, als Ausgangsmaterial oder als Akteure- ins Zen-trum rücken.5 Von Künstler* innen in den Raum gestellt, an die Wandgehängt oder in eine visuelle Erzählung eingebunden, verlieren sieihre Eindeutigkeit und werfen Fragen auf: Was bedeuten Gegen-stände für uns? Wie prägen sie unseren Alltag? Und wichtiger noch:Was verbindet uns mit ihnen? Was trennt uns?

Zu Beginn der Ausstellung Zwischen den Dingen sind alltäg-liche Gegenstände als Bestandteile von Skulpturen von StephanieSenge und Sascha Mikel zu sehen. Beide Künstler* innen bedienensich tradierter ästhetischer Strategien, die entwickelt wurden, umbestehende Objekte in neue formale Ordnungen zu überführen unddamit ihr Bedeutungsspektrum zu erweitern. Stephanie Senge erweistmit ihrer Skulptur Grüner Buntstift Moribana günstigen ProduktenWertschätzung, indem sie sie als Ikebana arrangiert. Sie folgt dabeiden ästhetischen und philosophischen Regeln dieser jahrhunderteal-ten japanischen Kunstform des Blumensteckens, bei der ein harmo-nischer Ausgleich zwischen linearem Aufbau, Farbe und Rhythmiktraditionellerweise dazu dient, die kosmische Ordnung zu symboli-sieren. Linien, die Himmel, Erde und Menschheit repräsentieren,werden dabei zueinander in Beziehung gesetzt( Abb. 1).

Sascha Mikel formt aus einem Fundus an kleinen, kaputten,gefundenen oder übriggebliebenen Objekten täglich eine Miniatur-skulptur, die autonom für sich besteht. In ihrer Gesamtheit erzählendie Objektcollagen Episoden von der Gestaltung, der Produktion unddem Gebrauch kleiner Dinge, die untereinander in einem Wettbe-werb um Aufmerksamkeit stehen. Das von ihm im Titel seines Werk-zyklus zitierte Verfahren des Détournement wurde insbesondere von

4 Vgl. beispielsweise Karen Barad: Agentieller Realismus. Über die Bedeu-tung materiell- diskursiver Praktiken. Berlin 2012; oder Jane Bennett:Lebhafte Materie: Eine politische Ökologie der Dinge. Berlin 2020.

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Die Ausstellung war vom 10.9.2021 bis zum 21.11.2021 im Volkskunde-museum Wien zu sehen.