Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde124 (2021) / N.S. 75Johler, Birgit; Verhovsek, Johann: „Als Kulturwissenschaftlerin hinschauen, was da passiert, ganz im Sinne von curare“ [Gespräch]

  
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„Als Kulturwissenschaftlerin hinschauen, was da passiert, ganz im Sinne von curare“ [Gespräch]
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Als Kulturwissenschaftlerin hinschauen

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BJ: Also der Bruch- ich spreche lieber von einem Paradigmenwechselder war schon auch intendiert. Die Sammlungen in den volkskund-lichen Museen haben unterschiedliche Sammlungsgeschichten, aberes gibt, wenn ich Wien und Graz vergleiche, auch große Ähnlichkei-ten in dem, was gesammelt wurde. Ich denke, dass so ein Paradigmen-wechsel, was Themen und Objekte anbelangt, notwendig ist, um einvolkskundliches Museum für die Zukunft attraktiv zu machen. Dasheißt nicht, dass man den Sammlungsbestand ignoriert, im Gegenteil,aber es ist eben nicht nur die bestehende Sammlung, die das neueHaus jetzt füllt. Dieser Auftrag, den Gegenwartsbezug starkzuma-chen, aus der Gegenwart heraus zu erzählen, darüber war ich eigent-lich sehr glücklich. Wenn der nicht schon da gewesen wäre, dann hätteich ihn vielleicht so entwickelt. Weil es dadurch möglich wurde, sichvon diesem Blick der Volkskunde auf das ländlich, bäuerliche Lebendes 19. Jahrhunderts zu lösen.

JV: Wenn man so einen Bruch initiiert, gibt es da nichtWiderstände? Geht das so klaglos?

BJ: Ich bin sehr glücklich, dass es uns offenbar gelungen ist, vieleFreunde des Volkskundemuseums auf die Reise mitzunehmen. DieRückmeldungen sind sehr positiv und wir haben auch viele neueBesucherInnen gewinnen können, das merken wir jeden Tag. Natür-lich gibt es BesucherInnen, die die klassische Sammlung vermissen,und wir haben den einen oder anderen entsprechenden Eintrag imBesucherInnenbuch, aber damit kann ich, können wir eigentlichgut leben, eben weil die Reaktionen sonst mehr als positiv sind. Ichglaube, das zeigt schon, dass es eine gute Entscheidung war, hier neueThemen und damit auch neue Objekte einzubringen. Dass es mit-unter nicht so einfach ist, in so kurzer Zeit aussagekräftige Objektezu finden, das weiß jeder, der im Museum arbeitet. Aber das istfür Außenstehende vielleicht nicht so erklärlich. Mein Zugang warjedenfalls immer: In dem Moment, in dem die Ausstellung eröffnetwird, ist sie nicht fertig, im Gegenteil, da beginnt erst die eigentlicheArbeit.

JV: Worin besteht für dich die eigentliche Arbeit, die jetztbeginnt?