Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde124 (2021) / N.S. 75Johler, Birgit; Verhovsek, Johann: „Als Kulturwissenschaftlerin hinschauen, was da passiert, ganz im Sinne von curare“ [Gespräch]

  
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„Als Kulturwissenschaftlerin hinschauen, was da passiert, ganz im Sinne von curare“ [Gespräch]
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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 2

Vergessenheit hervorgeholt werden. Gerade unter Identität stellen sichviele etwas Spezifisches vor, nämlich Kultur und Geschichte als Mittelzur Identitätsbildung. Ich bin ja schon von einem Ausstellungspro-jekt gekommen, wo die nationale Politik darauf geachtet hat, was daentsteht.3 Insofern war ich dafür sensibilisiert, inwiefern da vielleichtBegehrlichkeiten oder Ansprüche und Wünsche im Raum stehen.

JV: Wie viel Birgit Johler steckt jetzt in dieser Ausstellung?

BJ:[ Lacht.] Ich würde schon sagen, recht viel, man nimmt ja die The-men mit wie ein Gepäck. Ich war dreißig Jahre in Wien, habe dortstudiert und zwanzig Jahre in Forschungsprojekten und Ausstel-lungsprojekten gearbeitet, habe mir bestimmte Themen angeeignet,zum Beispiel NS- Geschichte, jüdische Geschichte, Vergessen undErinnern, politische Geschichte, volkskundliche Heimatproduktion,Museumsgeschichte- Themen, die hier eingeflossen sind. So war mirrelativ bald klar, dass ich im Eingangsbereich die Geschichte des Ortesund der AkteurInnen erzählen möchte, weil sie diesen Ort verän-dert, geprägt haben. Aber wir waren natürlich auch ein Team, das istwichtig für die kuratorische Situation. Wir haben einen wissenschaft-lichen Beirat, der das Projekt immens unterstützt hat, Eva Kreissl hatebenfalls viel eingebracht, das Thema Glaubenspraktiken in Krisen-zeiten ist mit ihr entstanden. Ich habe auch externe Kuratorinnen undKuratoren eingeladen, bestimmte Teile zu bearbeiten. Zum einen sindsie ExpertInnen auf diesen Gebieten, aber es wäre zum anderen auchgar nicht möglich gewesen, in so kurzer Zeit alles zufriedenstellendzu bewerkstelligen. Eigentlich ist es mir ein wichtiges Anliegen, zusignalisieren, dass das Grazer Volkskundemuseum ein Ort ist, woMenschen, Ideen und Objekte zusammenkommen, ein Ort, der offenist und Raum bietet für Kooperationen, Austausch und Begegnungen.

JV: Der Titel wie es ist hat es aber vielleicht auch erleichtert,mit den alten Traditionen des Hauses zu brechen. Wie siehstdu diesen Bruch? Wie hast du das erlebt?

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Birgit Johler war von 2017 bis 2019 Kuratorin im Haus der GeschichteÖsterreich.