Malte Völk ,,, Sie sagt zu mir du weist sehr viel"
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Dialog mit der Mutter. Aufgrund ihrer fortgeschrittenen Demenzerlebt sie immer wieder eine Diskrepanz zwischen ihrer Wahrneh-mung und der Gegenwart, da sie„ im vergessen verschwindet und inder Vergangenheit lebt“.74 Daraus ergeben sich biografische Fragen,die der Diarist geduldig aufklärt. Diese biografischen Dialoge sieht erals wesentlich für das Wohlbefinden seiner Mutter an:„ Mutter fühltsich bei mir Sauwohl- weil ich auf sie eingehe." 75 Die Dialoge laufenstets nach dem gleichen Muster ab: Die Mutter fragt und der Sohnerzählt ihr daraufhin ihre Lebensgeschichte mit Verwandtschaftsver-hältnissen.76 Dieses repetitive Moment des Narrativen wirkt nun auchins Tagebuch hinein, in welchem ständig nur leicht variierte Dialogewiedergegeben werden. Ständig gefragt zu werden, wer er sei, belas-tet den Diaristen und führt auch zu Unsicherheiten, die allerdings,so scheint es, durch das Niederschreiben gebändigt werden können.Offenbar erhält Herr T. überdies Anerkennung durch seine Mutter.So heißt es am 5. Februar 2006:
„ Wir haben viel über die Vergangenheit gesprochenGeschäfte Namen Kleine Geschäfte- Wirtschaften,
-
Leute die im Haus Wohnten
-
aber Mutter weis das etwas
nicht stimmt. Sie sagt zu mir du weist sehr viel." 7
Die Gespräche führen zu einer Verbesserung der Symptome, sogar zueinem insgesamt doch harmonischen Zusammenleben:
„[ B] ei uns ist Harmonie, wenn wir zusammensitzen
Kaffee
- Mittagessen- Fernsehen. Wir erzählen über alte Zeiten.Mutter ist kaum noch in der Wirklichkeit[...]." 78
Eine dritte Dimension des Kommunikativen besteht in der Anspra-che potenzieller Lesender – wobei er niemanden konkret adressiert,
74 DTA( wie Anm. 69), S. 53.
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Ebd., S. 38.
Dieses erzählerisch- repetitive Moment gilt auch in der gerontologischenDemenzforschung als wichtiger therapeutischer Faktor; vgl. Lars ChristerHydén, Linda Örulv: Narrative and Identity in Alzheimer's Disease:
A Case Study. In: Journal of Aging Studies 4( 23), 2009, S. 205-214.DTA( wie Anm. 69), S. 132.
Ebd., S. 138.