Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Sie sagt zu mir du weist sehr viel“ : zum kommunikativen Charakter lebensgeschichtlicher Selbstzeugnisse
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Malte Völk ,,, Sie sagt zu mir du weist sehr viel❝

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Das war Großmutters Geburtstag. Heute wäre sie 136 Jahrealt. So alt kann halt niemand werden.

Ich bin die Einzige, die noch an sie denkt u. sie gekannt hat.Mit meinem Leben wird auch sie ausgelöscht sein, wenn ichsterbe.

So geht alles dahin." 56

Auch in anderen Einträgen sind ihre Großeltern der Ausgangspunkt:

Ich denke an meine Großeltern zurück, wie gerne möchteich noch zu ihnen gehen können!

Wie traurig ist es, das alles verloren zu haben.[...] Die Häuser,die Wohnungen sind noch da, die Menschen mit denen mangelebt hat darin, sind schon so lange tot! Ach, wie schrecklichkann das Leben sein." 57

Die andere häufige Einstiegsvariante in Tagebucheinträge, die aktu-elle Begebenheit, kommt oft in Gestalt von Bezügen zu Fernsehsen-dungen vor. So löst etwa die Ankündigung eines Films, den die Dia-ristin früher im Kino gesehen hat, die ausführliche Schilderung desdamaligen Kinobesuches aus, die wiederum die Vergegenwärtigungkomplexer Beziehungsgeflechte hervorruft. Solche Zusammenhängewaren ihr offenbar ständig präsent.

Sie beschreibt ihre Kindheit und Jugend als materiell beschei-den", als eine arme Zeit, 58 in der zum Teil sogar Hunger herrschte,denn ihr Vater war lange arbeitslos und das Überleben wurde durcheine Großmutter mehr schlecht als recht gesichert.59 Weniger betontjedoch die emotionale Geborgenheit, die Nähe und den Zusammen-halt in Familie und Nachbarschaft. Schon damals haben Produkteder Populärkultur eine wichtige Rolle für die Diaristin gespielt, da

56 Ebd., S. 183.

57

Ebd., S. 51 f.

58

Ebd., S. 133 f.

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Die Situation der Familie bleibt etwas unklar: so wird die Arbeitslosigkeitdes Vaters wiederholt mit einer Spanne von zehn Jahren angegeben, wäh-rend die Zeit der Abhängigkeit von Almosen der Großeltern nicht genaueingegrenzt wird. Zum Teil wird hier auch pauschalisiert und vermutlichübertrieben. So hatten die Mutter und die Diaristin selbst verschiedenekürzere Gelegenheitsanstellungen; auch ist die Rede davon, dass sieKartoffeln anbauten- vgl. ebd., S. 49.