Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Sie sagt zu mir du weist sehr viel“ : zum kommunikativen Charakter lebensgeschichtlicher Selbstzeugnisse
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Malte Völk ,,, Sie sagt zu mir du weist sehr viel❝

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auf Grundlage von narratologischen und philosophischen Überle-gungen. Ein Tagebuch könne keineswegs als egozentrisch verwi-ckelter Monolog" gelten, so Christine Holm in ihrem Versuch einerPhänomenologie des Diaristischen. Vielmehr seien beim Schreibenbereits unhintergehbar mögliche zukünftige Lesende präsent, sei esin Gestalt von anderen Personen oder im Sinne eines zukünftigenLese- Ichs. Die vielfältigen prospektiven Rezeptionsperspektiven,die ihm eingeschrieben sind, machen das Tagebuch zu einer durchund durch dialogischen Form, so Holm.

Die narratologische Annahme von Dialogizität stützt sichstark auf solche Tagebücher, die auch als literarische Werke Anerken-nung gefunden haben etwa die von Jonathan Swift, Franz Kafka

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oder Anne Frank.8 Diesen Fokus möchte ich hier in zweierlei Hin-sicht erweitern. Zum einen, indem ich mit unveröffentlichten Tage-büchern aus Archiven solche Dokumente betrachte, die weniger alsliterarische Werke denn als Alltagserzählungen gelten können.

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vgl. Bernd Jürgen Warneken: Populare Autobiographik. EmpirischeStudien zu einer Quellengattung der Alltagsgeschichtsforschung. Tübin-gen 1985; Thomas Hengartner, Brigitta Schmidt- Lauber( Hg.): Leben- Erzählen. Beiträge zur Erzähl- und Biographieforschung. Berlin, Ham-burg 2005; Klara Löffler: Das( auto-) biografische Interesse. Auf einelange Zukunft! In: Ilse Korotin( Hg.): 10 Jahre Frauen sichtbar machen.BiografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen. Wien 2008,S. 38-41.

Christiane Holm: Montag Ich. Dienstag Ich. Mittwoch Ich. Versucheiner Phänomenologie des Diaristischen. In: Helmut Gold, ChristianeHolm, Eva Bös, Tine Nowak( Hg.): Absolut privat!? Vom Tagebuch zumWeblog[ Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum für Kom-munikation Frankfurt vom 6. März bis 14. September 2008]. Heidelberg2008, S. 10-50, hier S. 10.

Ebd., S. 31.

Ebd.

Vgl. Dusini( wie Anm. 1), S. 68-77.

Ich möchte mich für hilfreiche Unterstützung und freundliche Hinweisebei folgenden ArchivarInnen und Einrichtungen sehr herzlich bedanken:Frau Dr.in Li Gerhalter, Sammlung Frauennachlässe am Institut fürGeschichte der Universität Wien; Herrn Mag. Günter Müller, Doku-mentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen am Institut für Wirt-schafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien; sowie Frau JuttaJäger- Schenk, M. A., Deutsches Tagebucharchiv Emmendingen.Albrecht Lehmann: Erzählstruktur und Lebenslauf. AutobiographischeUntersuchungen. Frankfurt a. M., New York 1983, S. 34.