Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Sie sagt zu mir du weist sehr viel“ : zum kommunikativen Charakter lebensgeschichtlicher Selbstzeugnisse
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

Malte Völk

,, Sie sagt zu mir du weist sehr viel".Zum kommunikativen

Charakter lebensgeschichtlicherSelbstzeugnisse

Der Beitrag fragt nach den kommunikativen Strategien lebensgeschicht-licher Erzählungen und Selbstzeugnisse. Dabei werden unveröffentlichteTagebücher und vergleichbare Dokumente betrachtet, aus denen sichsolche Strategien exemplarisch extrahieren lassen. Es wird offengelegt,wie das erzählende und das erzählte Ich sich implizit und explizit nachaußen wenden-aus dem eben nicht mehr als privat und verschlossenverstandenen Dokument heraus. Die Annahme einer dialogischenGrundstruktur von Tagebüchern wird anhand von Archivmaterialim Sinne der kulturwissenschaftlichen Narratologie überprüft undausgeweitet.

-

Einleitung

Aufgrund ihrer sowohl historisch- empirischen als auch systematisch-klassifizierenden Diversität widersetzen sich autobiografische Quel-len einheitlicher Gattungsbestimmungen. Im Folgenden werde ich inden theoretischen Vorüberlegungen zum Teil von lebensgeschicht-lichen Erzählungen sprechen, weil die Forschung, auf die ich michstütze, auch mündliche Berichte einbezieht. Unter lebensgeschicht-lichen Selbstzeugnissen möchte ich dann schriftliche Aufzeichnungenverstehen, die zumeist, aber nicht in jedem Fall retrospektiv dieGeschichte des eigenen Lebens zum Gegenstand haben. Zu diesenSelbstzeugnissen gehören auch Tagebücher, die wiederum wenigernach inhaltlichen als vielmehr nach formalen und strukturellen Krite-rien definiert werden: Eine gewisse Regelmäßigkeit der Aufzeichnunggehört zu den Merkmalen, ebenso wie die Gliederung nach einer zeit-lichen Ordnung, die mit der Kopfstellung eines Datums oberhalb