Jahrgang 
124 (2021) / N.S. 75
Seite
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Literatur der Volkskunde

Ulrich Magin: Der Tatzelwurm. Porträt eines Alpenphantoms.Bozen: Edition Raetia 2020, 232 Seiten, zahlr. Abb.

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Der Mythos vom Tatzelwurm bekommt immer wieder neue Nah-rung. Einerseits durch Bücher, die seine Legende am Leben halten, ¹andererseits ist das mythische Tier ein beliebtes Sujet für eine künst-lerische Auseinandersetzung.2

In der Sonderausstellung Drache- Majestät oder Monster, die2000 im Volkskundemuseum Wien stattgefunden hat, wurden derTatzelwurm und all die anderen regionalen Ausformungen als klei-nere Wesen aus der näheren Verwandtschaft der Drachen lediglichan einigen Stellen erwähnt.³ Generell wird der Tatzelwurm als gif-tige schlangenartige Echse mit Katzenkopf und zwei Stummelfüßen,stechendem Atem und tödlichem Blick beschrieben und unter die Drachenwürmer" gereiht.4

Nun ist ein Buch erschienen, das sich alleine seinem Mythoswidmet und diesem durch Aufarbeitung historischer Quellen nach-geht. Im Vorwort vergleicht der Autor den Tatzelwurm mit Yeti, Big-foot und Nessie und stellt fest, dass der Glaube an diesen Halbdra-chen" noch immer wach ist, obwohl es keine greifbaren Belege fürseine Existenz gibt- also weder ein glaubhaftes Foto noch ein Skelett.Der Verfasser, Ulrich Magin, ist diplomierter Dolmetscherund arbeitet als Journalist, Linguist und Autor. Er hat mehrerepopuläre Sachbücher über moderne Sagen und unheimliche Welten

1 Vgl. Reinhard Pohanka: Tatzelwurm und Donauweibchen. ÖsterreichsNaturgeister und Sagengestalten. Wien 2013; Ernst Probst: Der Tatzel-wurm. Das Rätseltier in den Alpen. Norderstedt 2014; Michael Schnei-der: Der Tatzelwurm. Auf der Jagd nach dem Fabelwesen der Alpen.Wasungen 2018.

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Tatzelwürmer finden wir zahlreich vertreten im Werk von ChristophDonin( 1930-2013), https://magazin.wienmuseum.at/christoph-donins-werk, sowie in den Werken von KünstlerInnen in der SonderausstellungDer Tatzelwurm. Ein fabelhafter Alpenbewohner im Museum Kitzbühel2019/2020.

Gerd Kaminski, Barbara Kreissl( Hg.): Drache. Majestät oder Monster.Wien 2000, S. 146 u. S. 167.

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Ditte und Giovanni Bandini: Das Drachenbuch. München 2002,S. 164-166.

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Pohanka( wie Anm. 1), S. 118.