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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 1
Zusammenhängen mit neuen Forschungsergebnissen, die der Autormit einer durch die Jahrzehnte erworbenen Kenntnis trotz gebote-ner Kürze detailreich vermittelt. Auf diese Art wirft Brückner einzumindest teilweise neues Licht auf die Vergangenheit unseres Fachesund weckt das Interesse jener Community, die sich auch heute damitbefasst.
„ Das Jahr 1938" sei aber auch Studierenden ans Herz gelegt,weil Fachgeschichte zunehmend geringere Beachtung zu findenscheint. Der Blick auf unsere eigene Vergangenheit gewinnt jedochgerade im Hinblick auf den Nationalsozialismus heutzutage wiederan Bedeutung. Wie rasch ideologische Verstrickungen in der Wissen-schaft die Oberhand gewinnen können, zeigt Brückner pointiert undkenntnisreich auf. Die dabei immer wieder sichtbar werdende„ spitzeFeder" des Autors( vgl. z. B. den Ausdruck„ Katholikenfresser“, S. 96,der sich auf M. Ziegler und F. Pfister bezieht) sorgt sogar für zeit-weiliges Schmunzeln beim Lesen dieser dramatischen Auseinander-setzung mit einer dunklen Zeit.
HELMUT EBERHART
Brigitte Heck: Badische Landestrachten. Dargestellt undbeschrieben durch den Maler Rudolf Gleichauf in denJahren 1861 bis 1869. Stuttgart: Verlag Regionalkultur 2020,152 Seiten, zahlr. Abb.
Brigitte Heck, die Leiterin des Referats für Volkskunde am Badi-schen Landesmuseum, geht in ihrem 2020 im Verlag Regionalkulturerschienenen Band Badische Landestrachten der Frage nach, inwieweitder Historien- und Trachtenmaler Rudolf Gleichauf( 1826-1896) mitseinen Beschreibungen und Darstellungen von„ Badischen Landes-trachten" in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Entwicklung des Ste-reotyps Tracht beitrug.
Rudolf Gleichauf war ein aus Karlsruhe stammender Maler,der im Auftrag der Regierung in den Jahren 1861 bis 1869 im Gebietdes damaligen Großherzogtums Baden 13 ländliche Kleidungsfor-men dokumentierte,„ die er als historische Trachten ansah“( S.5). In