Chronik der Volkskunde
Bericht zum Online- Workshop„ Erfahrung. Konzeptionenund Standortbestimmungen eines Schlüsselbegriffs derEuropäischen Ethnologie" am 19. und 20. November 2020
11
111
In einem gelungenen, technisch hervorragend umgesetzten Formatrichteten Martina Röthl( Kiel) und Barbara Sieferle( Freiburg) mitdem Workshop„ Erfahrung“ eine von produktiver Diskussion undregem Austausch geprägte Veranstaltung aus, die als Auftakt für eineintensive Auseinandersetzung mit einem zentralen Begriff des kul-turwissenschaftlichen Forschens gelten darf. Der Vernetzungscha-rakter, von dem dieser Workshop auch im wörtlichen Sinne mitzumeist mehr als achtzig virtuell Zuhörenden- geprägt wurde, kannfür zukünftige derartige Arbeitssettings beispielgebend sein. Ebensowie die Mischung aus öffentlichen Vorträgen mit Kommentaren derbeiden DiskutantInnen Silke Göttsch- Elten( Kiel) und Ingo Schneider( Innsbruck), Publikumsdiskussionen und im engeren Kreis derWorkshop- Teilnehmenden geführten Impulsrunden, Diskussionenund Resümees.
Den Workshop einleitend und rahmend, lieferten die beidenOrganisatorinnen nicht nur ein beredtes Zeugnis ihrer intensiven Aus-einandersetzung mit Erfahrung als Schlüsselbegriff und Konzept derEuropäischen Ethnologie, sie forderten auch dazu auf, Erfahrung alsGrundlage des Faches analytisch und konzeptionell zu präzisieren.Dazu stellten sie sechs Leitbegriffe vor: Mit dem„ Entstehungsprozessvon Erfahrung" wurde eine konzeptionelle Nähe zu tacit knowledge und,, implizitem Wissen“ betont. Mit der Verhältnissetzung„ Erfahrung –Subjektivität“ ließ sich- im Anschluss an Michel Foucault – die Fragenach gegenseitiger Bedingtheit von Erfahrung als„ Rationalisierungeines selbst vorläufigen Prozesses“ und„ Subjektivität“ als Ergebnisdessen formulieren. Mit dem Leitbegriff„ Erfahrungsmodus" rücktedie Prozesshaftigkeit von Erfahrung in den Blick: Erfahrung alschron oder diachron, aktiv oder passiv, narrativ oder gelebt? Mit dem„ Verhältnis zwischen Erfahrung und Wissen“- unter Annahme einesweiten Wissensbegriffes – wurde der Fokus auf den soziokulturellenund historischen Hintergrund gerichtet, auf dem Erfahrung basiere.Erfahrung als Forschungsgegenstand verstehend, fragten Röthl undSieferle nach der„ methodischen Zugänglichkeit von Erfahrung“- im
syn-