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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 1
abgehaltenen Plebiszit war ein politischer und militärischer Grenzfin-dungskonflikt vorausgegangen, bei welchem von der Kärntner Lan-desregierung Freikorpstruppen und sozialdemokratische Volkswehr-verbände entsandt worden waren, die gegen die im November 1918in Südkärnten eingerückten – mit dem SHS- Staat sympathisierenden- Freischärler militärischen Widerstand leisteten.² Der sogenannteKärntner Abwehrkampf- resp. Befreiungskampf oder Freiheits-kampf, in der slowenischen Diktion der Kampf um die Nordgrenze³dauerte bis zum Juni 1919. Insgesamt starben über 400 Menschen.4Bei dem von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs veranlasstenPlebiszit am 10. Oktober 1920 stimmten 59 Prozent der WählerIn-nen( der nach einer provisorischen Demarkationslinie festgelegtenZone A) für Österreich. Ein beträchtlicher Stimmenanteil für Öster-reich kam also auch von der slowenisch sprechenden Bevölkerung.5
Des Ausgangs des Plebiszits und der vorausgegangenenmilitärischen Handlungen wird seit 1921 alljährlich am 10. Oktobergedacht. Hierbei wurde der heutige Landesfeiertag aber nachdemer zunächst vom Großteil beider Sprachgruppen und von allen politi-schen Parteien und Berufsgruppen„ einmütig“ begrüßt worden sein
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der Verwendung des Slowenischen variieren stark( vgl. hierzu z. B. IlseReiter: Die autochthonen Volksgruppen Österreichs. Ein Überblick überdie Rechtslage von 1848 bis in die Gegenwart. In: forum historiae iuris.Erste Internet- Zeitschrift für Rechtsgeschichte, 14.8.2001,https://forhistiur.de/2001-08-reiter/#208( Zugriff: 21.1.2021).
Vgl. Tina Bahovec: Grenzfrage, österreichisch- jugoslawische in Kärnten/Koroska( 1918-1920). In: Katja Sturm- Schnabl, Bojan- Ilja Schnabl( Hg.):Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/ Koroška.Von den Anfängen bis 1942. Band 1: A- I. Wien, Köln, Weimar 2016,S. 464-469.
Zur Begriffsverwendung vgl. Alfred Ogris: Kärntens Freiheitskampfals Beitrag zur Staatswerdung Österreichs in den Jahren 1918-1920.In: Carinthia I, 1986, S. 41-60.
Vgl. Bahovec( wie Anm. 2), S. 466.
Die Wahl erfolgte weniger entlang ethnischer und sprachlicherPräferenzen als die hegemoniale Deutschkärntner Geschichtsnarrationsuggeriert. Vgl. z. B. die neue Wahlanalyse von Guido Tiemann:„ Kärn-ten"= Austria,„ Koroska“= Yugoslavia? Some Revisionist Perspectiveson the 1920 Carinthian Plebiscite. In: Historical Social Research 4( 45),2020, S. 300-347, die wirtschaftliche Gründe betont.
Vgl. Hellwig Valentin: Die Diskussion um den Kärntner Landesfeier-tag. Zur Funktion der Geschichte in der Tagespolitik. In: Ders., KarlAnderwald: Kärntner Jahrbuch für Politik. Klagenfurt 1994, S. 277-317,hier S. 278.