Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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Chronik der Volkskunde

lichst sachlich und speziell.<< und gedruckten Quellen sowie Archivma-terial rekonstruierte er» die sozialen Beziehungen zwischen Juden undChristen<<. Das basierte übrigens auch auf einem durchweg kritischenVerständnis von» Emanzipation«,» Anpassung«,» Assimilation«,» Integ-ration<< und»> jüdischen Mitbürgern«- solche Semantiken und Politikenwaren, wie er das kurz nannte,» nicht Axiom, sondern Problem dieserUntersuchung<< auch das wäre also etwas, auf das die heutige Euro-päische Ethnologie, wenn sie sich etwa in der kritischen Migrationsfor-schung aufmacht zur Dekonstruktion des Ideologems der» Integration<«<,als längst erarbeitet verweisen könnte.

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Kiebingen:»> Die Weite und der dunkle Südrand brechen das Licht jenach Jahreszeit täglich und stündlich neu.(...) Schon vor ½ 7 Uhr fahrenzwei Züge und zwei Busse in Richtung Tübingen, die die Arbeiter in deneinzelnen Orten einsammeln.<< Wer verstehen will, was das Leben undArbeiten in der für ganz Europa relevanten kleinbäuerlichen Ökonomiebedeutete und bedeutet, sollte die Habilitationsschrift von Utz Jeggle le-sen( die freilich mit einer Gemeinschaftsarbeit anderer Tübinger Kolle-gInnen verbunden war). Diese Kombination von historischer Arbeit mitArchivquellen und Feldforschung, fundiert mit qualitativen wie quanti-tativen Auswertungen und dargestellt in einer Analyse, für die Statistikund Empathie keine einander widersprechenden Zugänge zum Unter-suchungsgegenstand sind 1977, als dieses Buch erstmals erschienenist, gab es dazu kein Vorbild, weder in der Volkskunde oder Ethnologie,noch in der Geschichtswissenschaft oder Soziologie. Das war wirklich in-novativ solche Vokabeln mochte Utz Jeggle nicht-» Die Arbeit wurdeals Habilitationsleistung anerkannt«<, mit dieser knappen Formulierungbenannte er das auf der Homepage des Tübinger Instituts.

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Psychoanalyse. Nicht nur der methodische Zugang, den Utz Jegglepraktizierte und lehrte, war psychoanalytisch informiert. Auch in derKulturtheorie legte er Wert auf die Einsichten der Psychoanalyse. Sig-mund Freuds These vom» Unbehagen in der Kultur« als die unaus-weichliche Gefährdung des Menschen durch die Bedrängnisse seinergesellschaftlichen Existenz und die Möglichkeit, dass Menschen nichtnur lieben sondern auch töten können, verstand er als Wachsamkeit er-forderndes Merkzeichen. Er hat die Psychoanalyse nicht auf eine sym-bol- oder objektbeziehungstheoretische Lesart reduziert, sondern immerauch als Triebtheorie verstanden, durch alle kulturalistischen und hand-lungstheoretischen kulturwissenschaftlichen Moden hindurch. Aberauch andere Aspekte der Psychoanalyse, zu den Dynamiken von Erin-

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